Eine Titelverteidigung und ein Premierensieg – Sinja Kraus und Benjamin Hassan top

Die Meister 2017 des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz stehen fest. Die besten Tennisspielerinnen und Tennisspieler des Landes haben an vier begeisternden Turniertagen über ein sonnig-sommerliches Fronleichnam-Wochenende in 13 Konkurrenzen ihre aktuell Besten ermittelt. Bei den Aktiven strahlten auf der Anlage des TSC Mainz Sinja Kraus (TSC Mainz) und Benjamin Hassan (TC Neuwied) über den Turniersieg.

TVRP-Präsident Dieter Kirschenmann gratulierte Benjamin Hassan zum erneuten Titelgewinn, Constantin Schmitz (unten rechts) erreichte erstmals das Herren-Finale. Neue Rheinland-Pfalz-Meisterin der Damen ist Sinja Kraus (oben, rechts) vor Hannah Müller. Fotos: Hermann Recknagel

Die 15 Jahre junge Kraus setzte sich im Damen-Finale souverän gegen ihre Mannschaftskollegin und Rheinland-Pfalz-Meisterin von 2014, Hannah Müller, mit 6:2, 6:3 durch. Vorjahressieger Benjamin Hassan, mittlerweile Dauerprotagonist am Finaltag der Landestitelkämpfe im Freien, entschied das Endspiel der Herren gegen Constantin Schmitz (TSV Schott Mainz) 7:5, 6:2 für sich.

Kein Finale ohne Benjamin Hassan. Der 22-jährige Verbandsliga-Spieler des TC Neuwied, aktuell die Nummer 79 unter Deutschlands Herren, steht seit 2014 immer im Finale der Rheinland-Pfalz-Meisterschaften. In diesem Jahr freute sich Hassan über seinen zweiten Herren-Titel. Er war als Titelverteidiger gestartet und unterstrich eindrucksvoll, dass auch 2017 wieder mit ihm zu rechnen sein musste. Hassan gab in dem kompletten Turnier keinen einzigen Satz ab.  Überhaupt nur zwei Mal drohte ein Satzverlust – beim 7:6, 6:2 im Halbfinale über Joel Rizzi vom TSC Mainz („Den Tiebreak habe ich 8:6 gewonnen, das war ganz eng und hätte auch anders ausgehen können“) und im Finale. Constantin Schmitz hatte zunächst alle Vorteile auf seiner Seite. Zum 3:2 glückte dem 22-Jährigen das Break, er selbst schien seinen Rhythmus gefunden und durchziehen zu können, während Hassan noch seine Form suchte. „Im ersten Satz hat Constantin sehr gut gespielt, ich dagegen nicht so. Ich wollte zu früh auf den Punkt gehen. Das hat nicht geklappt“, analysierte Hassan.

Trotzdem ging der Satz an den Titelverteidiger. Bis zum 5:3 lief für Schmitz, der seit drei Jahren an der Tulane University in New Orleans/USA studiert und auch dort regelmäßig starke Tennis-Auftritte hinlegt, alles nach Plan. Doch dann begann aus seiner Sicht die Phase der verpassten Chancen. Schon bei Hassans Aufschlagspiel zum 5:4 war mehr drin, den eigenen Service gab Schmitz danach zu Null ab. Und bei 5:5 und 0:40 aus Hassans Sicht verpasste der Schott-Mann erneut die Chance auf einen Vorteil. Stattdessen ging der Satz an den Titelverteidiger. Der Knackpunkt. Während Constantin Schmitz, vor zehn Jahren Deutscher Meister in der U12, dem ersten Satz nachtrauerte („Mich hat der verlorene erste Satz runtergezogen und Benni habe ich so vom Kopf her wieder reingelassen in das Match“) trumpfte Hassan jetzt immer häufiger auf. „Ich habe mich danach freier gefühlt und besser gespielt. Das Spiel von Constantin liegt mir nicht so. Er spielt sehr konstant, sehr sicher, mit sehr viel Spin. Aber ich kam immer besser damit klar.“

Die Formkurve beider Finalisten driftete von da an auseinander. Plötzlich häuften sich bei Constantin Schmitz die Fehler, während Benjamin Hassan immer öfter die Initiative ergriff und die Ballwechsel diktierte. Kurz drauf lag der Titelverteidiger 4:1 vorne, der Herausforderer probierte und ackerte, konnte das Match aber nicht mehr drehen. „Ich habe im zweiten Satz nicht mehr so dagegengehalten wie es sein sollte. Das war dumm von mir. Benni hat gut gespielt und seine Chancen genutzt“, sagte Schmitz und schob selbstkritisch hinterher: „Ich habe dem ersten Satz nachgetrauert. Das darf nicht passieren. Da muss ich professioneller dran bleiben.“ Zufrieden war der 22-Jährige, in Mainz als Nummer sieben des Tableaus (DTB-194) gestartet, mit dem Turnier trotzdem. Schließlich sei er erst vor zwei Wochen aus den USA zurückgekommen, die Umstellung auf Sand dauere noch an. „Die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften wollte ich auch als Vorbereitung auf die Regionalliga nutzen. Insgesamt bin ich zufrieden. Vor allem das Viertelfinale gegen Rene Schulte war ein sehr gutes Match.“

In einem Klasse Viertelfinale - wie überhaupt die Partien der letzten acht Herren allesamt sehr sehenswert waren – besiegte Schmitz den topgesetzten Zweitliga-Spieler und Vorjahresfinalisten Rene Schulte (BASF TC Ludwigshafen) 6:4, 6:4. Und auch Benjamin Hassan blickte auf gute Turniertage zurück. „Es ist schwer, den Titel zu verteidigen. Zumal ich ja weiß, dass die anderen alle Tennis spielen können.“ Die gleichaltrigen Schmitz und Hassan beispielsweise kennen sich aus früheren Zeiten, den ehemaligen Andernacher Schmitz zwangen allerdings diverse Verletzungen zu Jugendzeiten zur längeren Pause. Daher blieben die packenden Duelle der einstigen Talente aus dem Rheinland irgendwann aus. Hassan: „In der Jugend haben wir sehr oft gegeneinander gespielt, jetzt aber schon sehr lange nicht mehr. Als Jugendliche habe ich anfangs gewonnen, aber irgendwann hat Constantin mich regelmäßig weggekocht.“ Seit diesen Meisterschaften ist die Bilanz wieder ausgeglichen.

Was Benjamin Hassan bei den Herren ist, sind die Tennisspielerinnen des TSC Mainz in der Damenkonkurrenz: ein fester Bestandteil des Endspiels. Seit 2012 stand immer mindestens eine Spielerin aus dem Gastgeberverein im Finale um den Landesmeistertitel. 2017 waren es mit Sinja Kraus und Hannah Müller gleich zwei. Und noch eine Serie setzte sich fort. Nach zuletzt zwei Titelerfolgen von Livia Kraus blieb der Turniersieg auch ohne deren Teilnahme in der Familie. Livias jüngere Schwester Sinja feierte per 6:2, 6:3-Erfolg über Mannschaftskollegin Hannah Müller ihren ersten Rheinland-Pfalz-Titel bei den Damen. „Ich freue mich total. Ich war ja an Eins gesetzt. Und nachdem ich in den letzten beiden Jahren jeweils knapp im Halbfinale gegen meine Schwester ausgeschieden bin, habe ich diesmal gehofft, dass es klappen kann mit dem Turniersieg.“

Und wie es klappte: Die junge Österreicherin aus dem Regionalliga-Meister und künftigen Zweitligateam des TSC Mainz ließ im Endspiel keinerlei Zweifel daran aufkommen, sich mit ihren 15 Jahren nach Anna-Lena Friedsam 2008 (damals 14 Jahre jung) als zweitjüngste Spielerin in die Siegerliste einzutragen. Früh zog Kraus ihr druckvolles Spiel auf und lag 4:1 vorne, konzentriert und konsequent holte sie sich den ersten Satz. Und blieb fokussiert. Einzig als Müller im zweiten Durchgang per Break auf 3:4 verkürzen konnte, als sie selbst die Initiative übernahm und mutiger spielte, war die Partie für einen kurzen Moment enger. Insgesamt aber fehlten der Rheinland-Pfalz-Meisterin von 2014 die nötigen Körner, um noch mal dagegenzuhalten. „Ich wollte variabler spielen, weil Sinjas Grundschläge zu gut sind. Aber meine Beine gingen heute nicht mehr, gerade auch beim Aufschlag“, gestand Müller. „Mir war vorher klar, dass ich gegen Sinja nicht in die Winkel schießen darf. Das kann sie besser. Aber andererseits ist das auch nicht unbedingt mein Spiel. Da muss ich auch erst mal reinkommen.“ Und dafür fehlten im Finale Zeit und Kraft.

Zumal die junge Favoritin sich nicht aus der Ruhe bringen ließ. „Ich war vorher sehr nervös. Hannah und ich kennen uns einfach sehr gut“, erklärte Kraus. „Aber ich habe versucht, einfach mein Spiel zu spielen. Und ich wusste auch, dass Hannah vier anstrengende Matches hinter sich hatte und sie vielleicht nicht mehr ganz so fit ist im Finale.“ Müllers Trainingsaufwand ist aktuell beruflich bedingt weit nach unten gefahren, umso mehr freute sich die ungesetzte TSClerin über ihr gutes Turnier. „Meine Auslosung war schon schwer, aber das hat den Vorteil, dass man direkt im Spielmodus ist.“  Angefangen bei der Auftaktpartie hatte Müller einige Aufgaben zu lösen. Gegen Janina Berres (TC Ludwigshafen-Oppau) wehrte die 24-Jährige beim 6:4, 4:6, 12:10 im Viertelfinale zwei Matchbälle ab, auch das 6:3, 7:5 gegen Nathalie Scherdel (BASF TC Ludwigshafen) war ein enges Ding. Müller: „Im Finale war ich platt. Ich hatte vorher vier harte Matches und beim fünften ist es dann irgendwann vorbei – bei dem Aufwand, den ich betreibe…“ Auch Sinja Kraus musste sich im Turnierverlauf strecken. Schon das 7:6, 6:4 über Sarah Nikocevic (BASF TC Ludwigshafen) im Viertelfinale war eine enge Liste, noch spannender ging es im sehenswerten Halbfinale gegen Anne Zehetgruber (TC Ludwigshafen-Oppau), die Finalistin von 2015, beim 6:3, 0:6, 10:7 zu. Kraus: „Im Matchtiebreak war es total eng. Und auch vorher gegen Sarah Nikocevic lag ich im ersten Satz schon 2:5 hinten. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat.“

Alle Ergebnisse zu den Rheinland-Pfalzmeisterschaften der Damen und Herren 2017 finden Sie HIER.