Große Resonanz beim Symposium „Tennis als Ganzjahressport“

Gut 100 Vereinsvertreter nahmen das Angebot des TV Rheinland-Pfalz wahr, sich zum Thema „Tennis als Ganzjahressport – Herausforderungen und Lösungsansätze“ zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Das Fazit: Die Situation ist erkannt, jetzt müssen Ideen entwickelt werden.

Großes Interesse, viele Informationen: Die Idee des TVRP, eine Vortragsveranstaltung zum Thema "Tennis als Ganzjahressport" anzubieten, kam gut an. Foto: TVRP

Tennishallen werden geschlossen oder umgewandelt, die Platzkapazität im Winter wird immer knapper, Vereine fürchten um ihr Angebot rund ums Jahr: Der Tennisverband Rheinland-Pfalz (TVRP) bat im Rahmen des ATP Challenger Turniers Koblenz OPEN zum Symposium „Tennis als Ganzjahressport – Herausforderungen und Lösungsansätze“ als Reaktion auf die mancherorts immer brisanter werdende Entwicklung. Gut 100 Vorstandsmitglieder und Hallenbetreiber aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen nutzten die von Jochen Dick (Sportchef Rhein-Zeitung) moderierte Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in der CGM Arena in Koblenz zum Gedanken- und Informationsaustausch. Allgemeiner Tenor nach Messe und Forum: Der Bedarf ist da, dieses Thema anzugehen. Nun müssen Ideen entwickelt und neue Wege gegangen werden.

Die Veranstaltung des TVRP in Zusammenarbeit mit Heiko Hampl, Turnierveranstalter des ATP-Challengers, war ein Signal an die Vereine, mit dieser Thematik nicht alleine gelassen zu werden. „Wir müssen unseren Sportlern etwas bieten, vor allem im Jugendbereich. Es kann nicht sein, dass wir sie im September verabschieden und sagen ‚Kommt im Mai wieder‘“, betonte Dieter Kirschenmann, Präsident des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz. „Ansonsten sponsern wir die anderen Fachverbände, weil wir Jugendliche verlieren werden, die in andere Sportarten wechseln. Das ist gegenüber allen anderen Fachverbänden der große Nachteil für uns und das muss der Tennissport verhindern.“ Zumal sich diese Problematik noch verschärfen werde. Viele Tennishallen aus den 80ern müssen restauriert werden oder Gemeinden benötigen das Gelände für Baugebiete, Mischgebiete oder Infrastruktur – häufig ohne einen Ausgleich für den Tennissport zu schaffen wie Joachim Dafferner, Geschäftsführer des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz in seinem Impulsvortrag hervorhob.

Vielen der Teilnehmer dürften verschiedene Facetten dieser Problematik aus ihren Vereinen bekannt vorgekommen sein. Auf den stetigen Wegfall von Hallenplätzen muss reagiert werden – als Verein, als Verband und in der Politik. Das Symposium in Koblenz diente dazu, weitere Denkanstöße zu geben. Einen davon lieferte Steffen Henn vom Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) in Trier. Aufgrund des veränderten Bewegungs- und Sportverhaltens innerhalb der Bevölkerung - Die Vielfalt ist eine ganz andere geworden – empfahl Henn den Vereinen, sich mit anderen Sportarten abzusprechen. Der detaillierte Bedarfsnachweis unter Berücksichtigung von Umfeld (Konkurrenz, Synergien) und Auslastung (freie Kapazitäten und Engpässe) werde immer wichtiger. Auch für die Tennisvereine. „Bis vor einem halben Jahr war diese Hallenproblematik beim Tennis kein Thema, doch jetzt werden immer mehr Anfragen an uns herangetragen“, so Henn, der in der Struktur des Tennissports aber durchaus Vorteile sieht. „Tennis hat einige Besonderheiten. Die Plätze liegen teilweise weiter auseinander, man ist Kooperationen gewohnt und das Preisniveau ist generell höher. Deshalb hat der Tennissport meiner Meinung nach eine große Chance, beim Ministerium als Modellprojekt zu laufen.“ Henns klare Botschaft: Die Vereine sollten im Sportstättenbau den Kooperationsaspekt stärken.

So vielschichtig wie die Thematik war auch das Programm: Neben der bedarfsgerechten Sportstättenkonzeption durch die ISE gab Sabrina Eichmann vom Sportbund Rheinland Einblicke in die Fördermöglichkeiten. Auch ein Fallbeispiel eines Vereins zum Genehmigungsverfahren hinsichtlich Kosten und Rentabilität einer Tennishalle wurde vorgestellt. Die Firmen DUOL (Traglufthallen), SMC2 Construction (Freiplatzüberdachungen), Weluma (LED Sporthallenbeleuchtung), Sportas (Platzbeläge), Pender (Hallenheizung) und Book and Play (Platzbuchungssystem) präsentierten sich im Forum und/oder mit Messeständen den Symposium-Teilnehmern und Turnierbesuchern. Zudem empfanden die Vereinsverantwortlichen den Austausch mit anderen Vereinsvertretern als sehr wertvoll. In einem Exkurs hinsichtlich Mitgliedergewinnung über neue Wege stellte Sascha Kaiser, TVRP-Präsidiumsmitglied für Sportentwicklung, Padeltennis als Teilbereich des Tennissports vor und die Möglichkeit, über diese vor allem in Spanien und Südamerika verbreitete Sportart neue Mitglieder auf die Anlagen zu bekommen.  

Ulrich Klaus, Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), unterstrich mit seiner Teilnahme am Symposium, dass diese Thematik auch bundesweit auf Interesse stößt. Die Situation ist keine Besonderheit im Tennisverband Rheinland-Pfalz, sondern ein Thema, das in einigen Regionen in Tennis-Deutschland aufschlägt. „Die Resonanz auf unser Angebot war überragend. Daran erkennen wir, dass ein Bedürfnis besteht“, so Kirschenmann. „Man will in den Vereinen auf die Situation reagieren. Ich denke, wir brauchen völlig neue Ideen, müssen gemeinsam etwas Neues entwickeln. Noch ist es nicht zu spät, andere Wege zu gehen.“

Die Veranstaltung war darüber hinaus auch als kleines Dankeschön für die Vereinsführungen im Tennisverband Rheinland-Pfalz gedacht und wurde daher nach einem gemeinsamen Mittagessen im VIP-Bereich der CGM Arena mit dem Besuch der Halbfinalspiele der Koblenz OPEN abgerundet. Viele der Symposium-Teilnehmer nutzten die Chance, sich die spannenden und teils hart umkämpften Matches des Franzosen Kenny de Schepper gegen Ilya Ivashka aus Bulgarien (3:6, 7:5, 6:4) und des späteren deutschen Turniersiegers Mats Moraing gegen den Ukrainer Sergiy Stakhovsky (6:4, 6:3) anzuschauen. Nach der Premiere im Vorjahr machten die Tennisprofis auf Ihrer ATP-Challenger-Tour zum zweiten Mal Station in Koblenz, insgesamt knapp 11.000 Besucher sorgten in der Turnierwoche für tolle Stimmung in der CGM Arena.  Spieler und Zuschauer fühlten sich wohl in der – passend zum Thema – für diese Sportveranstaltung bestens umgebauten Multifunktionshalle. Oder wie Turnierveranstalter Heiko Hampl sagte: „Ohne Halle auch keine Koblenz OPEN.“