Livia Kraus und Benjamin Hassan strahlende Titelträger

Sehenswerte Ballwechsel, spannende Matches und ein trockener Finalsonntag: Die Meister 2016 des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz stehen fest. Die besten Tennisspieler/Innen des Landes haben an vier begeisternden Turniertagen über das Fronleichnam-Wochenende in 15 Konkurrenzen ihre Meister ermittelt. Blitz, Donner und starker Regen sorgten für die eine oder andere Verzögerung im Spielplan, zum Abschluss aber schien für alle Endspielteilnehmer auf der Anlage des TSC Mainz noch einmal die Sonne.

Livia Kraus (links) und Madeline Bosnjak; Foto: Hermann Recknagel

Siegerehrung der Herren v.l.: Dr. Jochem Krüger (Vorsitzender des TSC Mainz), Rene Schulte, Benjamin Hassan und Verbandspräsident Dieter Kirschenmann; Foto: Hermann Recknagel

Strahlende Siegerin bei den Damen wurde Titelverteidigerin Livia Kraus (TSC Mainz). Die 17-Jährige besiegte im Endspiel der zwei topgesetzten Favoritinnen Madeline Bosnjak (BASF TC Ludwigshafen) 6:3, 6:4 und stand damit wie im Vorjahr wieder ganz oben. Bei den Herren jubelte Einer, der sich in den vergangenen beiden Jahren mit Platz zwei zufrieden geben musste: Benjamin Hassan (TC Neuwied). Der 21-Jährige setzte sich in einem ausgeglichenen Finale gegen Rene Schulte (BASF TC Ludwigshafen), die Nummer eins der Setzliste, 4:6, 6:2, 10:7 durch.

Für Livia Kraus wurde die Titelverteidigung zur Geduldsprobe. Das Endspiel gegen Madeline Bosnjak – aus einem weiteren Kreis von Titelkandidaten hatten sich die zwei topgesetzten Spielerinnen durchgesetzt – war schnell ein Nervenspiel. Die  Zweitliga-Spielerin aus Ludwigshafen begann konzentriert und lag flott 2:0 vorne, doch frühe Diskussionen um die eine oder andere Schiedsrichterentscheidung brachen ihren Rhythmus und brachten die TSC-Spielerin ins Match. „Ich wusste, dass ich den Ball lang halten und Geduld haben muss“, sagte die 17-Jährige nach ihrem erneuten Titelgewinn. „Wenn Madeline alles trifft, wird es schwierig, aber sie hat viele Fehler gemacht.“

Bis zum 5:2 für Kraus im ersten Satz ging es ganz schnell. Bosnjak leistete sich eine Vielzahl vermeidbarer Fehler, ihr Hop-oder-Top-Spiel war nur selten erfolgreich. „Ich hatte einfach kein gutes Timing“, so Bosnjak. Vier Vorhandknaller in Serie zum 3:5 aus ihrer Sicht waren zu wenig für eine Wende. Auch, weil Livia Kraus die Nerven bewahrte und ihre Linie konsequent durchzog. Die TSC-Spielerin zwang ihre Gegnerin möglichst in die lange Ralleys. Bis zum 4:4 im zweiten Satz blieb das Match ausgeglichen, doch die größere Ausgeglichenheit und Ruhe in den Ballwechseln entschieden die Partie. Die Erleichterung bei der Titelverteidigerin war groß. „Ich war sehr nervös, weil hier beim TSC so viele Zuschauer sind, die mich alle anfeuern und unterstützen“, erklärte Kraus. „Das motiviert sehr und ich wollte auch dafür unbedingt gewinnen.“

Ihre härteste Aufgabe auf dem Weg ins Finale meisterte Kraus im Halbfinale beim 7:6, 6:4 gegen ihre jüngere Schwester Sinja. „Madeline spielt mit mehr Spin, damit komme ich besser klar als mit Sinjas Spiel. Da hatte ich große Probleme“, gestand Livia Kraus. Die 14-Jährige, jüngste Spielerin im Damenfeld, hatte bis dahin ihre Matches durchweg klar gewonnen. Das galt auch für Madeline Bosnjak, die ebenfalls im Halbfinale mächtig ackern musste für ihren Finaleinzug. Gegen ihre Teamkollegin aus Ludwigshafen setzte sich die 20-Jährige in einem Tempospiel 2:6, 6:2, 10:7 durch. „Das war ein starkes Halbfinale von Beiden, ich habe es als Finale gesehen“, so Bosnajak. „Insgesamt bin ich mit meiner Leistung zufrieden, ich habe mich ins Finale gespielt.“

Sehr zufrieden durfte auch Benjamin Hassan mit seinen Leistungen bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften 2016 sein. Im dritten Anlauf hintereinander stand der 21-Jährige nun ganz oben. 10:7 ging der Matchtiebreak an Hassan. „Endlich“, gestand der neue Rheinland-Pfalz-Meister und scho mit einem Lächeln hinterher: „Wenn ich noch mal verloren hätte, hätte ich keine Lust mehr gehabt.“ Eng war es erneut. Im ersten Satz reihte sich ein Aufschlagverlust an den nächsten, bei 4:4 vergab Hassan einen Spielball zum 5:4. Danach war der Satz weg.

Trotzdem fand der Spieler vom TC Neuwied fortan besser seinen Rhythmus als der topgesetzte Kontrahent. Schulte verpasste einen guten Start in den zweiten Durchgang, leistete sich nun zu viele Fehler und lag schnell 1:5 hinten. „Bei mir war die Kraft ein wenig weg und Benni hat einen Tick konsequenter gespielt“, erklärte der 27-Jährige. Das änderte sich auch im Matchtiebreak nicht, wieder war Hassan konstanter und wurde mit dem ersehnten Titelgewinn belohnt. Die Taktik war aufgegangen. „Renes Vorhand ist unberechenbar, er spielt sie sehr verdeckt“, erklärte der 21-Jährige. „Deshalb wollte ich nur auf die Rückhand spielen, das hat nicht immer geklappt. Aber vor allem durfte ich nur wenig Fehler machen.“

Mit dem Finale war Rene Schulte nicht zufrieden („Das war ein Grottenmatch von Beiden“), mit dem gesamten Turnierverlauf aber schon. „Ich hatte bisher noch nie das Viertelfinale oder Halbfinale geschweige denn das Endspiel erreicht“, so Schulte, der im Halbfinale mit Kunal Anand (TC Mutterstadt) die Nummer vier der Setzliste 6:4, 7:5 besiegt hatte. „Deshalb war das insgesamt schon okay.“

Hassans Fazit dürfte noch positiver ausgefallen sein. Schließlich hatte er im Viertelfinale überraschend deutlich die Nummer drei im Feld, Joel Rizzi vom TSC Mainz („Das war nicht mein Tag“) mit 6:2, 6:2 ausgeschaltet und im Halbfinale gegen Florian Broska (TC BW Bad Ems, DTB-100) Nervenstärke bewiesen. Das aufgrund von anhaltendem Regen („Den zweiten Satz haben wir komplett im Regen gespielt“) unterbrochene Match brachte Hassan am Tag drauf nach 1:6-Rückstand im Matchtiebreak noch 6:1, 6:7, 10:8 nach Hause. Auf dem Weg zum erstmaligen Titelgewinn. Hassan: „Diesmal wollte ich einfach gewinnen.“

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