Livia Kraus und Vincent Schneider triumphieren

Titelkandidaten vor dem ersten Ballwechsel, ein Turnierverlauf ohne Satzverlust, zum wiederholten Male ganz oben: Parallelen tun sich auf bei den Gewinnern der Meisterschaften 2019 der Aktiven des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz. Livia Kraus (TSC Mainz) und Vincent Schneider (BASF TC Ludwigshafen) bestätigten ihre Favoritenrolle und feierten überzeugend die Titel 2019.

Livia Kraus (links) und Nora Niedmers. Foto: Hermann Recknagel

v.l.: Vincent Schneider, Daniel Baumann und Verbandspräsident Jan Hanelt. Foto: Hermann Recknagel

Die top Tennisspielerinnen und Tennisspieler des Landes haben an vier begeisternden Turniertagen auf der Anlage des TSC Mainz über ein überwiegend sonnig-sommerliches Fronleichnam-Wochenende ihre aktuell Besten ermittelt. Die 20-jährige Livia Kraus feierte nach 2015 und 2016 per 6:2, 6:3-Erfolg im Finale über die topgesetzte Zweitligaspielerin Nora Niedmers (BASF TC Ludwigshafen) ihren dritten Landesmeistertitel. Vincent Schneider ließ im Endspiel Teamkollege Daniel Baumann beim 6:4, 6:2 wenig Chancen. Schneider hatte – wie Kraus auch - schon 2015 ganz oben gestanden im rheinland-pfälzischen Vergleich.

Livia Kraus waren Freude und Erleichterung anzusehen. Mit dem dritten Matchball machte die TSC-Spielerin ihren Turniersieg perfekt. Vor Turnierbeginn hatte die 20-Jährige noch mit sich gerungen, ob sie sich den Herausforderungen bei Meisterschaften überhaupt stellen sollte. „Das war mein erstes Turnier nach sieben Monaten. Ich spiele in den USA viele Matches, aber keine Turniere“, erklärte Kraus nach ihrem dritten Titelgewinn und gestand: „Ich merke die Belastung jetzt schon.“ Auf dem Platz war davon wenig zu sehen. Vom Start weg erarbeitete sich die junge Österreicherin im Finale Vorteile gegenüber ihrer an Eins gesetzten Konkurrentin. Schnell lag Kraus 5:0 vorne. „Bis dahin hat Livia zwei Fehler gemacht“, sagte Nora Niedmers später ein wenig resigniert. Im sicheren Gefühl gegen Kraus’ eingestreute hohe Tospin-Bälle aktiv werden zu müssen, leistete sich die 24-Jährige zu viele Fehler.

Zu selten nutzte sie teils gut vorbereite Situation wie bei ihren Spielgewinnen im ersten Satz auf 2:5 – am Netz per Volley-Stopp oder mit starken Grundlinien-Winnern – zum Punktgewinn. „Was soll ich da machen? Ich habe alles probiert“, so Niedmers. „Aber dann muss man auch treffen.“ Immer wieder rettete Kraus sich clever aus kritischen Situationen. Eng war es noch mal Mitte des zweiten Satzes, beim Stand von 3:2. Die BASF-Frau war drauf und dran auszugleichen. Doch mit einem starken Vorhand longline Passierschlag aus dem Lauf heraus erhöhte Kraus auf 4:2 – eine kleine Vorentscheidung. „Das Match war viel knapper als es das Ergebnis vermuten lässt“, bilanzierte die TSC-Spielerin hinterher. „Nora ist richtig gut. Deshalb war ich zwischendurch auch ziemlich nervös.“

So wie schon zu Turnierbeginn als sie zunächst unzufrieden war mit ihrer Leistung. „Da war Livia noch unsicher und nicht so selbstbewusst“, sagte ihr Heimcoach Babak Momeni. Doch das habe sich mit der Partie gegen Anne Zehetgruber (TC Ludwigshafen-Oppau) im Viertelfinale geändert, als sie beim 6:2, 6:4 insbesondere im ersten Satz nahezu fehlerfrei agierte. Schließlich hatte Kraus eine anspruchsvolle Auslosung erwischt, weil sie durch ihr Studium in den USA hier keine Turniere spielt und ungesetzt war. Schon in der zweiten Runde musste sie gegen Vorjahressiegerin Selina Dal (BASF TC Ludwigshafen) ran und gewann 6:2, 6:4. Im Halbfinale war Laura Schmitz (HTC Bad Neuenahr) chancenlos. Insgesamt blickte Kraus ebenso wie Vizemeisterin Niedmers („Das Turnier war okay für mich“) auf gute Tennistage zurück. Nun fiebert die 20-Jährige einer Premiere entgegen: In zwei Wochen schlägt Livia Kraus bei der Universiade im italienischen Neapel erstmals für Österreich auf. „Ich freue mich, dass ich erstmals für mein Land spielen darf und will in Neapel einfach Spaß haben.“  

Spaß hatte in Mainz auch Vincent Schneider. „Ich hatte im Finale bei diesem Turnier den ersten Breakball gegen mich. Das hilft“, sagte der neue Rheinland-Pfalz-Meister mit einem vielsagenden Lächeln im Gesicht. Der 23-Jährige wusste, dass er - sofern sein Mega-Aufschlag kommt - nur schwer zu schlagen ist. Davon durfte sich im Endspiel auch Teamkollege Daniel Baumann überzeugen. „Heute war Vincents Spiel für mich zu schnell, da kann man nicht viel machen“, kommentierte der BASF-Zweitliga-Spieler das 2:6, 4:6 aus seiner Sicht. „Es ist ja nicht nur die Aufschlaggeschwindigkeit. Ich glaube, ich habe nie gegen jemanden gespielt, der schneller spielt als Vincent.“ Und Baumann weiß, wovon er spricht, schließlich treffen die Finalisten von 2019 schon seit U12-Jugendzeiten aufeinander.

In Mainz hielt der Herausforderer im ersten Satz lange mit – ehe Schneider sich das Break zum 6:4 genau im richtigen Moment holte.  Bei 2:2 und 30:40 im zweiten Satz überstand Schneider die angesprochene einzig brenzlige Situation bei eigenem Service. Danach war für Baumann nichts mehr drin. Einige krachende Aufschläge und beeindruckende Vorhand-Schüsse später nahm Vincent Schneider zum zweiten Mal die Gratulationen zum Rheinland-Pfalz-Titel entgegen. Zufrieden mit der Leistung („Ich wusste, dass gegen Baumi die Bälle zurückkommen, habe mich gut bewegt und gut getroffen“) und mit dem Turnierausgang. „Rheinland-Pfalz-Meister hört sich gut an“, gestand Schneider. „Ich bin hierher gekommen, um zu gewinnen. Ich wollte mir den Titel nach 2015 wiederholen.“ Das tat der 23-Jährige von Position zwei der Setzliste aus in unwiderstehlicher Art und Weise – wie zuvor auch Yannick Floer (TC BW Bad Ems / 6:1, 6:2), die Nummer sieben im Tableau, und im Halbfinale mit Steffen Hillenmeier (TSV Schott / 6:3, 6:2) ein ehemaliger Landesmeister anerkennen mussten. 

 

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