Die Anfänge der Förderung durch private Mäzene und Industriebetriebe

Anders als der schon im ersten Nachkriegsjahr fünfstellige Zuschauerzahlen mobilisierende Fußball gehörte Tennis noch lange nicht zu den publikumsattraktiven Schausportarten. Daher konnten auch die stärksten Tennisvereine nicht wie die verkappten Profimannschaften von Schalke 04 oder TUS Neuendorf in sogenannten Kalorienspielen Mangelwaren eintauschen.50 

Einige Tennisvereine fanden immerhin die Unterstützung privater Mäzene. Sie erreichten schnell einen Entwicklungsvorsprung vor den ausschließlich auf ihre Eigenleistungen angewiesenen Vereinen. Dies führte nach der Währungsreform zu einer zunehmenden Konzentration der größeren Vereine in den von verschiedenen Industriezweigen geprägten Stadtbezirken. Nach neuesten Erkenntnissen aus den Gründerjahren des Sportbundes Rheinland51 blieben die wenigen und immer noch aus den oberen Gesellschaftsschichten zusammengesetzten Tennisvereine im städtischen Umfeld: die meisten Abteilungen und Vereine bestanden in Trier, Koblenz, in den Kurorten Bad Kreuznach, Bad Ems und Bad Münster, in Idar-Oberstein, Mayen, Montabaur, Neuwied und in Wittlich. Noch gar nicht organisiert waren die Tennissportler in Simmern, Daun und in Prüm.

Die städtische Konzentration größerer Tennisvereine prägte auch die Struktur des rheinhessischen und der pfälzischen Verbandes. Aus dem Versammlungsprotokoll des Rheinland-Pfälzischen Verbandes vom 28.1.195052 ergeben sich aufschlußreiche Angaben zum Mitgliedervolumen der angeschlossenen Vereine.

In der Pfalz existierten Vereine in den Städten Kaiserslautern (202), Ludwigshafen (Park-Klub 120 und BASF-Abteilung 136), Speyer (120), Pirmasens (107), Landau (100) und in Neustadt (80), Landstuhl ( 40), Zweibrücken (60), Grünstadt (55), Annweiler (55), Hassloch (15) und in Kusel (10). 

Am stärksten konzentrierten sich die Tennissportler in Rheinhessen, von denen zwei Drittel den drei Mainzer Vereinen (Tennis und Skiklub 326, Grün-Weiß 61 und 20 in der Abteilung des Turnvereins von 1817) angehörten, von dem restlichen Drittel über die Hälfte in Worms (116) spielten, relative viele in Bingen (70) und relativ wenige in Alzey (20) organisiert waren. 

Die im Sportbund Rheinland noch nicht näher belegte städtische Konzentration spiegeln folgende Mitgliederzahlen von Anfang 1950: Trier (TVT 1913 e.V. 184, TGT 1888 e.V. 125), Idar-Oberstein (160), Bad Münster (125), Neuwied (98), Bad Kreuznach (91), Wittlich (72), Koblenz (88), Bad Ems (70), Mayen (48), Remagen (39), Montabaur (32), Jünkerath (30), Kirchen (28), Meisenheim (28), Hachenburg (26), Bad Neuenahr (22), Cochem (20) und Kirn (10).

Den Wiederaufbauschub durch private Mäzene erhellen beispielhaft die Gründungsgeschichten folgender Vereine: von Anfang an wurde der TC Grün-Weiß Frankenthal, später einer der mitgliederstärksten Vereine des pfälzischen Tennisverbandes (siehe Anhang), "von der Firma Klein-Schanzlin-Becker (KSB) und anderen Frankenthaler Firmen großzügig mit Material unterstützt".53 In Bitburg knüpfte Brauereidirektor Theobald Simon während seiner 25jährigen Tätigkeit als Vereinsvorsitzender immer wieder die Kontakte zu privaten Sponsoren, so auch nach der Wiedergründung 1949, als er die kostenlose Renovierung des Klubhauses durch eine Holzfirma vermittelte.54 

Der nicht wie der TC BASF durch Firmenmitteln geförderte älteste Ludwigshafener Tennisverein Park Klub Ludwigshafen konnte mit seinen knappen Mitteln "anstelle des abgebrannten Clubhauses" 1953 nur eine "Baracke aufstellen," die 1955 vom Hochwasser überflutet wurde, worauf sich "die Beseitigung der dabei entstandenen Schäden bis 1957 hinzog."55 Wahrscheinlich profitierte der TC Schwarz-Weiß Merzig, mit 600 Mitgliedern 1998 größter saarländischer Tennisverein, auch bei seiner Gründung von der Förderung durch die Firma Villeroy & Boch, die schon kurz nach der Jahrhundertwende die ersten Tennisplätze in Merzig mitfinanziert hatte.56 

Vor Beginn der staatlichen Sportstättenförderung57 machten die Tennisvereine die größten Entwicklungsfortschritte, die, wie das Beispiel der BASF-Abteilung unten zeigt, als Betriebsmannschaften direkt ihrer Firmenleitung unterstützt oder aber solche Vereine, die aufgrund ihrer unbestrittenen Förderwirkung für den Fremdenverkehr von den städtischen Kurverwaltungen auf alle erdenkliche Weise gefördert wurden. 

Der seit seiner Gründung durch seinen Vorsitzenden Kurdirektor Erich Rütten mit der Kurverwaltung eng kooperierende Hockey und Tennisclub (HTC) Bad Neuenahr setzte seine internationalen Turniere 1949 wieder fort, da ihm der Spielbankdirektor Otto Karl Runkel, selbst aktiver Tennisspieler und Ehrenmitglied, und der sportbegeisterte Bürgermeister Wilhelm Bloser großzügige Hilfen gewährten. Von den Umsätzen der Spielbank, die er 1948 unter städtische Konzession gestellt hatte, erhoffte sich Bloser eine ebenso starke Belebung des Fremdenverkehrs wie von den Tennisturnieren, mit deren Publikum Runkel seinerseits als potentielle Spielbankbesucher rechnete. Unmittelbar nach Verleihung der Stadtrechte an Neuenahr erhielt der Turnierleiter Erno Mahler eine so große Summe, daß er allein "4000 Mark Startgeld für die sechzehn Endrundenteilnehmer von Wimbledon" einsetzen konnte. Mit den immer stärkeren Zuwendungen von Seiten der Kurverwaltung konnte der HTC seine höchst aufwendigen Turniere bis in die siebziger Jahre fortsetzen. 1953 gewann der bereits legendäre "Tennisbaron" Gottfried von Cramm das Endspiel gegen den deutschen Spitzenspieler Ernst Buchholz. 

Bild 23 A aus der Chronik des HTC Bad Neuenahr

Wiederholt gelang die Verpflichtung internationaler Spitzenspieler wie im Jahr 1954, als der "Kramer-Zirkus" erstmals in Neuenahr gastierte, oder 1961, als der australische Wimbledonsieger Rod Laver das Herreneinzel gewann. Für das Nachwuchstraining engagierte der Verein ehemalige Stars wie den jugoslawischen Daviscupspieler Miloykovic.58 

In Bad Ems, wo die ältesten Tennisplätze ebenfalls schon in der wilhelminischen Ära bestanden,59 sicherte sich der Tennisverein seine Klubanlage durch einen Erbpachtvertrag (1975) mit der Bäderverwaltung. Wie in Neuenahr nutze die Stadt die positive Ausstrahlung des Tennissports auf den Kurbetrieb und suventionierte das 1976 im Silbergrund eröffnete "Hallen-Tennis-Center" mit angeschlossenem Klubhaus, Grünanlagen und Parkplätzen, ebenso auch die bis 1969 ausgetragenen Deutschen Tennislehrermeisterschaften. Durch den Werbeeffekt mehrerer Länderkämpfe und dem seit Anfang der 70er Jahre ganzjährigen Nachwuchstraining steigerten sich die Mitgliederzahlen bedeutend.60

In Bad Kreuznach hingegen entzogen die Gemeinde- und Kurverwaltung dem Tennissport ihre in früheren Zeiten bewiesene Sympathie, indem sie ihm die zur Durchführung großer Wettkämpfe notwendigen Verbesserungen in der Infrastruktur (Zufahrten und Parkplätze) versagte. Dies führte seit 1979 (620 Mitglieder) zu einem starken Rückgang der Mitgliedschaft, die nach der Renovierung der hochwassergeschädigten Klubanlage (mit aufblasbarer Halle) im Salinental (1979) um beinahe ein Drittel zugenommen und den Verein an die Leistungsspitze des Verbandes geführt hatte.61

Dank der steten Unterstützung durch die Betriebsleitung konnte der TC Blau-Weiß BASF-Ludwigshafen bereits in den ersten zehn Jahren nach seiner Wiedergründung seine Mitgliederzahl um mehr als das fünffache steigern (von 78 in 1948 auf 528 in 1957) und damit den älterem Ludwigshafener Park-Tennisclub deutlich überholen. Das seit den frühen fünfziger Jahren ständig erweiterte Klubgelände umfaßte 1982 vier Hallen und 21 Freiplätze. Aufgrund ihrer "großzügigen gärtnerischen Gestaltung" im "parkähnlichen Rahmen" zählte die BASF-Anlage zu den "schönsten Tennisanlagen im Deutschen Tennis Bund." Überzeugt von dem Werbeeffekt ihrer bis 1982 auf 1400 Mitglieder und damit zu einem, neben dem TC Boehringer Ingelheim, der stärksten Verbandsmitglieder gewachsenen Abteilung regte die Firmenleitung immer wieder innovative Modernisierungen an, 1970 zum Beispiel die Automatisierung der Kegelbahn im Klubhaus, dessen Bewirtschaftung sie wenig später einem selbständigen Pächter überantwortete. Seit 1968 organisierte der Verein nationale und internationale Wettkämpfe und zog durch seine intensive Nachwuchsarbeit erfolgreiche Spieler heran.62