Vom exklusiven Freizeitvertreib zum Sport – die Anfänge des Lawn-Tennis (1874-1918)

Die Anfänge des Lawn-Tennis (1874-1918)
 
Die weltweite Verbreitung des Tennissports begann Anfang der 1870er Jahre in England, wo sich der Major Clopton Wingfield 1874 das von ihm neu geregelte Tennisspiel patentieren ließ. Sein in die Serienproduktion gehender Koffer (Tennisset) für den Transport von Bällen, Netz und Schlägern sollte das alte Spiel aus den abgeschlossenen Räumen der Ballhaus- und Barrockzeit in die frische Luft bringen und weiten Kreisen als "Freiluftsport" erschließen. Schnell begeisterten sich die englischen Sportclubs für die neue Erfindung. 1875 beschlossen der All England Croquet Club mit dem All England Lawn Tennisclub einheitliche Regeln, nach denen 1877 das erste Winbledonturnier ausgetragen wurde.1

Deutschlandreisende Engländer oder Englandreisende Deutsche exportieren das Spiel zuerst in die Kurorte, wo sie auf einer freie Wiese ihr Tennisset auspackten, und ohne größere Vorbereitungen zu spielen begannen.2 Nach ungesicherten Quellen spielten "einige englische Kurgäste" bereits "1873 auf einer Wiese bei der katholischen Kirche" von Bad Ems,3 also drei Jahre vor dem ältesten Tennisfoto der Welt, welches das angeblich "erste Tennismatch in Deutschland" im Kurpark Bad Homburg zeigt.4 

Ohne den früheren Streit um die älteste Tennisaktivität in Deutschland nochmals aufwärmen zu wollen,5 bestätigt das Beispiel Bad Ems den exklusiven Freizeitcharakter der ersten Tennispartien auf deutschem Boden. Rund zwanzig Jahre vor der Gründung des Deutschen Lawn-Tennis-Bundes (DLTB) in Hamburg (19. Mai 1902) begannen geschäftstüchtigen Kurdirektoren - zuerst in Bad Homburg, dann in Baden-Baden und Wiesbaden - mit der Veranstaltung großer Meisterschaften,6 die wenig später auch die ersten großstädtischen Lawn-Tennis-Clubs und -abteilungen ausrichteten,7 so daß 1901 im Deutschen Reich bereits 35 große Tennisturniere, teilweise mit internationaler Spitzenbesetzung, stattfanden.8 

Ein erster "Tennisboom" machte sich bemerkbar: das wachsende Interesse an dem neuen Trendsport9 erfaßte bald breitere Gesellschaftskreise. Dabei übernahm der 1891 gegründete Zentralausschuß zur Förderung der Volks- und Jugendspiele eine Schlüsselfunktion, da es ihm gelang, Staatsgelder für den flächendeckenden Ausbau öffentlicher Spiel- und Sportplätze zu mobilisieren. Für die Inangriffnahme der staatlichen Sportstättenförderung machten einflußreiche Schulpolitiker das seit den Befreiungskriegen bewährte Argument der militärisch nützlichen Körperertüchtigung geltend.10 Da herausragende Turnerfunktionäre wie der Braunschweiger Turninspektor August Hermann (1835-1906)11 oder der Bonner Professor Ferdinand August Schmidt12 ihre konservative Einstellung gegen den angelsächsischen Sport reformierten, indem sie für eine stärkere Kultivierung des angeblich "deutschen Tennisspiels" plädierten,13 öffneten sich dem Lawn-Tennis bald auch die Turnplätze, Kasernenhöfe und Reithallen.14 

Bei ihren teilweise grotesken Bemühungen um eine umfassende Eindeutschung der Lawn-Tennisregeln wurden die von dem neuen Spiel faszinierten Turnwissenschaftler von dem DLTB-Vizepräsidenten Robert von Fichard (1864-1918) unterstützt. In den von ihm seit 1894 herausgegebenen ersten deutschen Lawntennis-Jahrbüchern15 profilierte sich Fichard auch als ein national denkender Sporthistoriker: mit seinem 1902 als eine der ersten Untersuchungen über das Ballhaus veröffentlichten Beitrag,16 und ein Jahr später, als er die offizielle  Wettkampfordnung des DLTB eindeutschte.17 Den Auswirkungen von Luthers Bibelübersetzung nicht unähnlich18 beabsichtigte Fichard damit auch eine soziale Öffnung des Spiels, wie sie bereits den von ihm geführten Lawn-Tennis-Club Lenôtre in Straßburg eingetreten war.19Neben den elitären Tenniszirkeln in den Kurgärten und Casinogesellschaften, 20 die ihre Exklusivität ebenso betonten wie die der gesellschaftlichen Elite huldigenden Klubs21 und die nur bestimmten Berufsgruppen zugänglichen Tennisvereinigungen22 entstanden schon vor der Jahrhundertwende sozial offenere Lawn-Tennis-Gesellschaften. Die durch den Ausbau der städtischen Sportanlagen zwischen den Turnern und den Rasensportlern intensivierten Spiel- und Wettkampfkontakte23 begünstigten früh eine weitere Entwicklungslinie der deutschen Tennisorganisation: die Bildung von Spezialabteilungen in allen möglichen Sportvereinen wie den Fußball-,24 Radfahr-,25 Ruder-,26 Eislauf-,27 oder anderen Wintersportvereinen,28 ganz bevorzugt aber in den Vereinen für Volks- und Jugendspiele.29

Diese von der Forschung für die Zeit vor dem ersten Weltkrieg bestrittene gesellschaftliche Ausbreitung des Tennis30 zeigt sich auch auf rheinland-pfälzischem Boden, und zwar in einem bisher unbekannten Ausmaß, sowohl in quantitativer, 31 als auch in qualitativer Hinsicht. Ende der 1880er Jahre wurden die ältesten Vereine in Hachenburg (1885) und in Trier (1888) gegründet, wenigstens 20 weitere, davon die meisten im Rheinland, folgten bis zur Jahrhundertwende. Sie suchten anfangs weniger den aktiven Wettkampf als den standesgemäßen Zeitvertreib, besonders Frauen, da sie sich auf den Tennisplätzen mit der neuen Mode zeigen konnten, wobei sie, wenn sie selbst spielten, dies nur aus dem Stand tun konnten, da die "pfundschweren" Kleider mit Korsett und "baldachinmäßigen Federhüten" ihnen nur ein Schreiten zwischen den Seitenlinien gestatteten32 Der hohe, in einige Vereinen sogar dominierende Anteil weiblicher Mitglieder33 bestätigte die bestehenden Rollenerwartungen, beeinflußte also nicht die weibliche Emanzipationsbewegung. 

In katholischen Städten wie Trier, wo der Bischof die Einhaltung der öffentlichen Badeordnung (Geschlechtertrennung) kontrollieren ließ,34  verursachte die Gründung einer Damentennis-Abteilung in der Trierer Rudergesellschaft 1890 allerdings eine heftige Provokation der vorherrschenden Moralvorstellungen.35 Daß die angeblich 1873 in Bad Ems beobachteten Tennisladies ausgerechnet vor dem katholischen Pfarrhaus ihre ersten Spielversuche unternahmen, veranlaßte sicherlich lautstarke Proteste des zuständigen Pfarrers. Für die durch das Auftreten der "Damen" bestätigte gesellschaftliche Exklusivität des Tennis stehen auch diejenigen Vereine, die nach ihrer Gründung nicht den Anschluß an den DTB gesucht haben.36 Andere lose Tennisgesellschaften  – wie in Engers, Bad Münster am Stein oder Bad Neuenahr37 – hielten die Gründung "eines eigentlichen Clubs" erst gar nicht für nötig, da man zum Spiel nur die bekannten gesellschaftlichen Treffpunkte wie das Kasino, den Kurpark oder den Garten vor dem Schloß oder der Spielbank besuchen mußte. Die feine Gesellschaft blieb dort unter sich. In Bad Kreuznach erlaubte der Kasinoclub den Badegästen die Benutzung ihres neuen Tennisplatzes nur, wenn "sich solche durch ein Mitglied in die Gesellschaft einführen" ließen. Auch wurde der von der Kurdirektion hinter dem Kurhaus betriebene Tennisplatz "während gewisser Stunden für bestimmte Gesellschaften" reserviert.38 Die für den Durchschnittsbürger wie die Beiträge unerschwingliche Platzmiete tat ein übriges zur Abgrenzung der ebenso elitär bleibenden Tenniszirkel in Bad Bergzabern, Bad Münster, Bad Neuenahr, Bernkastel, Diez, Engers (bis 1904), Hachenburg, Linz, Oberlahnstein und Traben-Trarbach,39  deren rigide Verhaltensetikette sogar die Beschleunigung des Spiels durch die offiziellen Regeländerungen nicht akzeptierten, indem ihre immer noch Hüte tragenden "Damen" weiter "von unten aufschlugen" und auch die "Herren" auf dem Platz ihren steifen Hemdkragen mit der obligatorischen Krawatte nicht ablegten.40 

Das Sportinteresse der Tennis spielenden Oberschicht konzentrierte sich mehr auf die Rolle des passiven Zuschauers, wobei wiederum das Repräsentationsbedürfnis überwog. Dies gilt sowohl für die  kleinen Klubturniere, bei denen die Spieler/Innen untereinander "anbandelten", 41 als auch für die großen Turniere, wo sie sich auf den Zuschauerrängen im Sichtkontakt mit der gesellschaftlichen Elite wiederfanden.42 Da man für diese Repräsentation gerne und viel zahlte, konnten die Veranstalter mit entsprechenden Gewinnen rechnen. Tennis wurde zur gut bezahlten Show, deren Finanzierung Summen erforderte, die sich kein normaler Verein leisten konnte.  In der seit Mitte der neunziger Jahre anziehenden Turnierspirale43 traten zuerst geschäftstüchtige Unternehmer wie die großstädtischen Kurdirektionen auf den Terminplan, etwas später die genannten Großstadtvereine. Schließlich versuchten auch die städtischen Vorortvereine und die Landvereine, sich zur Veranstaltung von Meisterschaften zusammenzuschließen.44 

In der um die Jahrhundertwende erst schwach industrialisierten Region von Rheinland-Pfalz45 wurden die ersten Wettkämpfe und größeren Turniere ausgetragen in:
- den vom Kurbetrieb geprägte Kleinstädten Bad Ems, Bad-Münster am Stein, Bad Neuenahr, Idar-Oberstein und Traben-Trarbach,
- einigen Kleinstädten mit Fabrikansiedlungen wie Frankenthal, Idar, Oberstein, Neustadt, Speyer und Zweibrücken
- und in den Orten und Städten mit starken Militärniederlassungen wie Engers, Germersheim, Kaiserslautern, Koblenz, Mainz, Saarburg und in Trier.46

Von den genannten Orten ist das durch seine Edelsteinfabrikation bekannte Idar-Oberstein als ein Musterbeispiel für die Verbreitung des Tennissports durch den Industrialisierungsprozeß hervorzuheben: während seiner siebenjährigen Geschäftsreise (1892-1899), die ihn über Ägypten, Ceylon, Australien in die englische Kolonie Indien führte, lernte der Idarer Händler Ernst Falz von seinen Gastgebern neben dem Polo- auch das Tennisspiel. Voller Begeisterung beschrieb er in seinen Briefen nach Hause die Zählweise, Größe der Spielfelder und alle nur erdenklichen Einzelheiten, so daß die Idarer daraufhin 1895 einen Lawn-Tennisclub gründeten.46

Der erste im Turnierplan des DLTB berücksichtigte Wettkampf war die Bad Kreuznacher Einzelmeisterschaft vom 8. August 1904, deren Damenkonkurrenz 1905 von der international unbekannten "Miß Andrews" gewonnen wurde.47 Mit der nationalen und internationalen Spitze konkurrierten die Turnierspieler aus Rheinland-Pfalz bei den 1901 erstmals in Mannheim ausgetragenen Pfalzmeisterschaften48 und den Süddeutschen Meisterschaften in Frankfurt und Straßburg. Hier erregte der 1914 in die absolute Weltspitze vordringende Otto Froitzheim49 erstmals Aufsehen beim Gewinn der süddeutschen Meisterschaften am 28.06.1902, wo der athletische Grundlinienspieler im Einzel und im Doppel gewann.50 

Unter den schätzungsweise 300 deutschen Turnierspielern des Kaiserreiches,51 die begünstigt durch ihre privilegierte Berufsanstellung bereits täglich trainierten,52 können die beiden Offiziersbrüder Viktor und Otto Müller hier als die ersten Spitzenspieler der rheinland-pfälzischen Tennisgeschichte genannt werden. Während seiner Mitgliedschaft im Koblenzer LTV (1909) rangierte der mehrfache Deutsche Militärmeister Otto Müller, der sich 1912 als Deutscher Einzelmeister für die Olympiade qualifizierte, bereits auf Nummer fünf der inoffiziellen Weltrangliste.53 Auch sein Bruder, der in Saarburg und Trier stationierte Hauptmann Viktor von Müller, hatte " mehrere größere Turniere mit namhaften Erfolgen bestritten" und nach der Deutsche Armeemeisterschaft (1901) unter anderem die Ostdeutschlandmeisterschaft (1904 und 1905) und die Schlesienmeisterschaft (1905) gewonnen. Als Gründungsvorsitzender der Tennisvereine der TGT Trier 1888 und des OLTC Saarburg 1894 förderte er die allerersten Wettkampfaktivitäten im Verbandsgebiet, an denen sich auch die starken Militärvereine in Koblenz und in Mainz beteiligten.54 In der vom DTLB 1909 veröffentlichten internationalen Turnierrangliste werden zwei weitere Spieler aus Rheinland-Pfalz genannt, allerdings ohne Plazierung: der in Koblenz spielende Leutnant von Tesmar und ein Mainzer Spieler Namens Goertz.55 

Die bis zum Ende des Kaiserreiches auffallende weitere Versportlichung des anfangs elitären Turnierbetriebes zeigte sich bei den Trierer Stadtmeisterschaften. 1911 hatte der Stadtrat den Antrag des Turniervorstandes auf eine Preisstiftung zurückgewiesen mit der Begründung, daß "der Tennissport in seiner Beschränktheit auf gewisse Gesellschaftskreise ein erhebliches Interesse der Allgemeinheit nicht erwecke." 1914 jedoch konnte der Vereinsvorsitzende Ingenieur Beyer den Oberbürgermeister von Bruchhausen zur Stiftung eines Ehrenpreise bewegen. Wie er in seinem Antrag vom 11. Juli 1914 schrieb, hatte "die große Entwicklung des Tennissports in den letzten Jahren ...auch in Trier das Interesse der Allgemeinheit erweckt."56

Die soziale Ausbreitung des Tennisspiels wurde also durch den sportlichen Wettbewerb gefördert. 1902 schrieb der Vizepräsident des DLTB, daß "das Spiel überall den größten Aufschwung genommen" hatte, "wo die Institution der Turniere einen regen Wettbewerb hervorrief. Wir können auf diesen Umstand nicht energisch genug verweisen, und legen allen Lawn-Tennis-Clubs ans Herz, auf dergleichen Veranstaltungen ihr Hauptaugenmerk zu richten."57 

Für die angestrebte gesellschaftliche Akzeptanz bedurfte es nicht nur einer Vergrößerung der zum Training und Wettkampf verfügbaren Spielfläche, sondern auch baulicher Innovationen, die eine Ausweitung der bisher nur halbjährigen Tennissaison auf das ganze Jahr zuließen. Ein erster Schritt in diese Richtung war bereits die Abkehr von den schonungsbedürftigen Rasenplätzen, die – wie in Linz 1903 - nur mit besonderen Schuhen und bei Regenwetter überhaupt nicht betreten werden durften.58 Schon 1895 empfahl von Fichard die Anlegung von Hartplätzen, "welche sich für unser Klima besser zu eignen scheinen als die Rasenspielfelder."59 Aus den guten Erfahrungen mit den ersten aus Lehm, Kies oder Sand hergestellten Hartplätzen, von denen die ersten in Engers und Saarburg 1894-1895, etwas später auch schon in Landau, Zweibrücken, wahrscheinlich auch in Mainz angelegt worden waren,60 veröffentlichte Fichard 1902 im Auftrag des DLTB eine detaillierte Bauanleitung über "Zement- und Asphaltplätze."61 1902 berichtete der Mannheimer Clubvorsitzende Robert von Hessen über die hervorragende Eignung der fünf für die ersten Pfalzmeisterschaften neu angelegten Sandplätze, ebenfalls mit detaillierten Hinweisen über die "zur Nachahmung" empfohlene, weil Kosten sparende Bautechnik.62 Leider fehlen Informationen, in welcher Weise sie angewandt wurde bei den neuen Anlagen in Bitburg, Idar, Oberstein, Kaiserlautern, Koblenz, Mainz, Landau, Neustadt, Trier und in Speyer. Gesteigerten Sportambitionen dienten auch Erweiterungsbauten wie Umkleidegarderoben, die unter anderem seit 1901 in Rüdesheim existierten. Die elektrische Beleuchtung der Plätze, wie sie die Kurdirektion von Bad Münster im Frühjahr 1903 installierte, erhöhte das täglichen Trainingspensum, blieb aber noch absoluter Luxus.63  Doch fürchtete die Oberschicht bereits die durch die technischen Innovationen auf die Spielplätze vorrückende Volks- und Jugendsportbewegung, von der sie sich, wie das Beispiel Neustadt zeigt, durch Platzreservierungen bewußt zu distanzieren suchte.64

Die ersten gedeckten Tennisplätze scheinen zuerst auf Militärgrundstücken, beispielsweise in Kasernenhallen eingerichtet worden zu sein, wahrscheinlich auch in Saarburg, wo schon 1895 "im Winter gespielt wurde."65 1895 nämlich veröffentlichte Fichard die ihm "von verschiedener Seite" übermittelten "Wünsche nach gedeckten Spielräumen, um das geliebte Lawn-Tennis auch im Winter fortsetzen zu können."66 Um 1897 eröffnete Kaiser Wilhelm im Park seines Berliner Schlosses Monbijou die erste Tennishalle.67 Die erwähnten frühen Bestrebungen des OLTC Saarburg, auf überdachten Anlagen zu spielen, lassen die Behauptung bezweifeln, der Bremer LTC hätte im Jahre 1910 "die erste Tennishalle in Deutschland" gebaut.68 Um die gleiche Zeit nämlich verfügte auch der "Altmärkische Lawn-Tennis-Turnierklub" in Stendal über eine "eigene Klubhalle", deren Wert er ohne Angaben zur Inneneinrichtung mit 1000 Reichsmark bezifferte.69 Vor den Deutschen Meisterschaften eröffnete die erstmals mit der Ausrichtung beauftragte Vereinigung Braunschweiger Tennisclubs e.V. am 26. Mai 1907 im städtischen Bürgerpark ihre für 60 000 Reichsmark geschaffene "Rondellanlage", die neun Spielfelder und ein "Tennishaus" integrierte.70 Man darf eine weitere Tennishalle in dem für 70 000 Reichsmark noch im gleichen Jahre von dem Eisbahnverein Hamburg-Dammtor eröffneten neuen Klubhaus vermuten.71 

Die Ausdehnung des sportlichen Trainingspensums steigerte den Wunsch nach einer systematischen Technikschulung. Jahre bevor der DLTB 1904 "den bekannten Trainer John W. Henton aus London." engagierte,72 konnten die ältesten Großstadtvereine ohne Anstrengung sogar mehrere Vereinstrainer aus ihren steigenden Beitragseinnahmen finanzieren.73 In den Volks- und Jugendspielvereinen übernahmen seit Beginn der 1890er Jahre städtische Turnlehrer wie der Frankfurter Turninspektor Weidenbusch die Trainingsleitung. Auch dadurch gelang es, das "Lawn-Tennis in weiteren Kreisen zu verbreiten", als es bisher in den elitären Zirkeln wie dem Frankfurter Ostend-Lawn-Club oder unter den Spielplatzabonnenten des Palmengartens der Fall war.74 Zu den ersten rheinland-pfälzischen Tennistrainern gehörten auch die Turnlehrer Pöppel in Kaiserslautern, Riedl in Landau oder der namentlich nicht bekannte Übungsleiter des Wormser Jugendspielplatzes.75 1902 faßte der Ostdeutsche Lawn-Tennis-Verband den zukunftsweisenden Beschluß, den "talentvollen Tennisjungen Franz Metz" auf seine Kosten "in Berlin als Trainer ausbilden" zu "lassen."76

Die immer effektivere Ausnutzung der Trainerstunden brachte den von Fichard 1902 erstmals erwähnten "Ballbuben" auf die Tennisplätze, zu deren Personal sie unter dem geläufigeren Namen Balljungen/Ballmädchen bis heute gehören.77 Viele von ihnen werden ihren persönlichen Vorbildern wie dem vierfachen Wimbledonsieger Tony Wilding nachgeeifert haben, dessen Laufbahn als Balljunge begonnen hatte.78 Ihre mit einem hervorragenden technischen Anschauungsunterricht verbundene Arbeit wurde auch auf kleineren Klubplätzen wie in Andernach und in Linz, wo die Balljungen von den Spielern bezahlt wurden, bei einem durchschnittlicher Stundenverdienst von 5 bis 15 Pfennigen sehr gut bezahlt.79 Ein überdurchschnittliches Saisoneinkommen die bei den großen Kurbetrieben angestellten Balljungen,80 die in den größeren Vereinen dem Platzordner unterstanden.81 

Der in der zunehmenden Spezialisierung der Balljungen, Trainer und auch Turnierspieler82 aufkommende Trend zum Professionalismus förderte die industrielle Herstellung besonderer Sportartikel. Um die Jahrhundertwende bereits exportierten die in London, Austragungsort des berühmten Wimbledonturniers, ansässigen Spezialfirmen ihre Produkte bereits an über 30 " deutsche Lawn-Tennis-Dépôts".83 Zu den ersten Geschäften mit Tennisartikeln gehörten im rheinland-pfälzischen Gebiet das Traben-Trarbacher Schuhhaus Schopp, zwei nicht näher bezeichnete Sportgeschäft in Trier (beide 1905) 84 und in Bad Kreuznach85 Bereits 1902 existierte in Kaiserslautern das Sportartikelgeschäft von Carl Gotthold, bei dem es sich offenbar um einen aktiven Tennisspieler handelte.86  

Nach der Jahrhundertwende hatten auch die in den Gründerjahren der Tennisclubs noch vom Durchschnittsbürger kaum erschwinglichen Eintritts- und Mitgliedsbeiträge ihre soziale Barrierenfunktion verloren. Laut DLTB-Satzung von 1902 mußten die angeschlossenen Vereine für jedes ihrer Mitglieder einen Jahresbeitrag von 2,50 Mark in die Bundeskasse zahlen. Einzelne Vereine wie der LTC Rheydt verlangten von ihren Mitglieder einen Monatsbeitrag von nur 50 Pfennig,87 woraus man auf einen durchschnittlichen Monatsbeitrag von höchstens einer Reichsmark schließen kann. In der Tennisabteilung des Freiburger Vereins für Volks- und Jugendspiele zahlten die Mitglieder bereits 1894 nur 12 Mark im Jahr, Studenten sogar nur 10 Mark. Noch günstigere Beitragssätze galten im LTC Darmstadt, wo der Jahresbeitrag 1895 für männlichen Mitglieder 10 Mark, für weibliche Mitglieder nur 3 Mark betrug.88 Die in der Gründungssatzung des TC Idar am 30. April 1895 formulierten Beitragsbestimmung zeigte die nachrangige Bedeutung der am Sozialprestige orientierten Interessen. Der von den Mitgliedern erhobenen "einmaligen Beitrag von 8 Mark" diente ausschließlich der Finanzierung "Anschaffung des Spiels und der Einrichtung des Spielplatzes" und seiner "ferneren Unterhaltung." Der Gründungsvorstand des TC Idar stellte seinen Mitgliedern sogar "eine nicht unbedeutende Rückzahlung auf den geleisteten Gründungsbeitrag" in Aussicht, wenn die Beitragseinnahmen die notwendigen Ausgaben übersteigen sollten.89  Wo die Beiträge nicht zur Deckung der Materialbeschaffungskosten und die Wartung der Plätze ausreichten, erhoben manche Vereine von ihren "Spielenden" erträgliche Sonderabgaben.90 In seiner 1905 abgeänderten Satzung senkte der TC Wildbad Traben-Trarbach den "jährlichen Beitrag für sämtliche Mitglieder" auf "3 Reichsmark."91

Abkürzungen
DLTB = Deutscher Lawn-Tennisbund
TC = Tennisclub