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Martina Markov und Niklas Noll heißen die Tennis-Rheinhessenmeister 2021

Ingelheim. Bei den Titelkämpfen auf der Anlage des TC Boehringer Ingelheim setzte sich die Lokalmatadorin im Finale gegen Lena Lauderbach mit 6:1, 6:1 durch. In der Herrenkonkurrenz krönte Noll seine Auftritte als Favoritenschreck mit einem 6:7, 6:1, 10:6 gegen den topgesetzten Neuzugang des TSV Schott Mainz, Leon Berg.

Der für den TC Pfeddersheim spielende neue Meister, der seit viereinhalb Jahren in Berlin als Trainer arbeitet und im August in die Heimat zurückkehren wird, dominierte das Endspiel vom zweiten Satz an. Der erste Durchgang war hart umkämpft, die Zuschauer – 100 Besucher waren gemäß dem vom Ordnungsamt genehmigten Hygienekonzept erlaubt – sahen etliche lange, schnelle Ballwechsel. Immer wieder peitschte Noll den Ball mit seiner Vorhand übers Netz, Berg hielt dagegen. Nicht ganz so hart, aber in den entscheidenden Momenten sehr präzise.

Den Tiebreak des ersten Satzes holte sich der 17-jährige Saarländer mit der dritten sich bietenden Gelegenheit mit 9:7. „Aber danach bin ich in ein Loch gefallen“, hielt er später fest. „Mein Aufschlag ist nicht mehr gekommen, und ohne Aufschläge kann man nicht gewinnen.“ Schon gar nicht, wenn der Gegenüber konstant gut serviert. „Aufschlag und Grundlinienspiel“, nannte der an Position acht der Setzliste geführte Noll denn auch als ausschlaggebende Elemente. „Vor allem mit der Vorhand habe ich mich wirklich gut gefühlt.“

Gleichwohl sei es wichtig gewesen, ab und zu mal einen Volleyabschluss zu suchen. Und um Bergs starken Topspin seiner Wirkung zu berauben, „musste ich auch in paar Slices einbauen“, sagte Noll. Weil sein Konkurrent zurückschnitt, kamen einige sehenswerte Slice-und-Stopp-Rallyes zustande.

Sehenswert blieb das Match bis zum Ende, auch wenn Leon Berg nur noch sein erstes Aufschlagsspiel durchbrachte; die Qualität der Ballwechsel litt darunter nicht. Ob ihm der zweite Satz noch im entscheidenden Durchgang nachhing? „Nein“, sagte der Turnierfavorit, seines Zeichens Nummer 322 der deutschen Rangliste, „ich habe versucht, mich ganz auf den Matchtiebreak zu konzentrieren. Aber die Aufschläge kamen trotzdem nicht.“

Anders bei Niklas Noll, der im Kampf um die letzten Punkte zwei Asse schlug und Berg mit etlichen weiteren Services unter Druck setzte. Dass neben den beiden Aufschlägen und einer krachenden Vorhand alle Ballwechsel in diesem dritten Durchgang mit Schlägen knapp ins Aus endeten, wunderte den Sieger nicht. „Wir spielen beide riskant“, sagte Noll. „Mir war klar, dass derjenige gewinnt, der weniger Fehler macht. Mit dieser Einstellung bin ich ins Match gegangen.“

Auf seinem Weg ins Endspiel hatte Noll im Achtelfinale Antonio Grupp (TSC Mainz) mit 6:1, 6:1 geschlagen, im Viertelfinale schaltete er den an Position zwei gesetzten Sven König (TSV Schott) mit 6:4, 6:2 aus. Danach kam es gegen Franjo Matic zur Neuauflage des Halbfinals von 2019 – damals hatte sich der Gensinger mit 10:8 im Matchtiebreak durchgesetzt, diesmal drehte Noll den Spieß um und entthronte den Titelverteidiger mit 6:1, 6:7, 10:6.

Finalgegner Berg musste am Samstag bereits zweimal über die volle Distanz gehen. Nach einem 6:3, 6:3 gegen Manuel Jacob (TC Weiler) rang er Leo Stolz (TSC Mainz) mit 4:6, 6:2, 10:8 und den inzwischen für den TC Boehringer spielenden Altmeister Marco Lauderbach mit 3:6, 6:3, 10:8 nieder. „Insgesamt war es ein ganz guter Einstieg in die Saison, nachdem ich bisher nur in der Halle trainiert hatte“, zog der erstmals an rheinhessischen Meisterschaften teilnehmende Berg ein positives Resümee.

Niklas Noll hingegen war „mit meiner kompletten Performance zufrieden“. Giuseppe Poso, der Sportwart des TV Rheinhessen, bescheinigte dem neuen Meister, ihn selten so stabil gesehen zu haben. Und das in einem Feld, dessen Qualität deutlich über in früheren Jahren lag. „Wir hatten schon größere Felder, aber noch keine stärkeren“, sagte Poso. Die acht Gesetzten beispielsweise liegen in der DTB-Rangliste allesamt unter den Top 700.

„Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass alle möglichen Konkurrenzveranstaltungen ausgefallen sind“, sagte Poso. Abgesagt hatten auch die Verbände der Pfalz und des Rheinlands ihre Meisterschaften. „Wir sind stolz, dass unsere stattgefunden haben. Die Ingelheimer haben das toll gemacht und waren ein guter Gastgeber“, lobte der Sportwart (nicht als einziger) die Organisatoren um Turnierleiter Pascal Häfner, die für den TV DJK Mainzer Sand eingesprungen waren und auch am Fronleichnamswochenende die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften anstelle des TSC Mainz ausrichten werden.

Für ihre Mühen belohnt wurden die Ingelheimer nach zwei witterungsbedingt ungemütlichen Tagen mit herrlichem Sonnenschein am Sonntag – und dem Erfolg ihrer Spielerin. „Es ist schön, auf der eigenen Anlage zu gewinnen und den Klub zu repräsentieren“, sagte Martina Markov, nachdem sie ihren Titel zum zweiten Mal erfolgreich verteidigt hatte. Anstrengen musste sie sich dafür allerdings nur im Halbfinale gegen ihre Vereinskameradin Sabina Schmidbauer: Mit 6:0, 3:6, 10:6 setzte sich die Favoritin durch. Zuvor hatte sie Lilly Harlos (TSC Freispeed Bodenheim) mit 6.3, 6:2 bezwungen.

Lena Lauderbach gelangte über Marlene Strohm (DJK TV Mainzer Sand, 6:3, 6:3) und Anna Herding (TSC Mainz, 6.1, 6:1) ins Endspiel. „Aber ausgerechnet heute hat nichts geklappt“, sagte sie nach ihrer glatten Niederlage. „Das ist brutal ärgerlich. Ich hatte überhaupt kein Gefühl für das, was ich mache und kaum einen Ball ins Feld bekommen.“ Damit wolle sie die Leistung ihrer Gegnerin nicht schmälern: „Martina hat gut gespielt, und man hat gemerkt, dass sie gewinnen wollte. Zu verlieren war für mich auch nicht schlimm – aber ich hätte gerne dagegengehalten.“

Markov machte vor allem mit ihrer Vorhand viel Druck, die Bälle hatten eine gute Länge, „und mein Return war sehr stabil“.

So schön der dritte Gewinn des Rheinhessentitels aber auch sein mag: Die Ziele der 17-Jährigen reichen über die regionale Ebene hinaus. In der vorigen Woche stand sie bei einem ITF-Turnier auf Zypern im Viertelfinale, und in der nächsten Zeit möchte sie so viele internationale Wettkämpfe spielen wie möglich. „Voriges Jahr war gar nichts“, erzählte das von ihrem Vater sowie dem Mainzer Fabian Guzik und Bijan Wardjawand trainierte Talent. „Wegen Corona wollte ich auch nicht zu Turnieren ins Ausland fliegen. Aber wenn ich das nicht mache, kann ich mit denen, die ständig im Einsatz sind, nicht mithalten und falle in der Rangliste zurück.“

Corona war angesichts des Hygienekonzepts in Ingelheim kein Thema, über das sich die Besucher Sorgen machen mussten. Die Gefahr lauerte vielmehr an einer Stelle, wo sie wohl niemand vermutet hatte: auf dem Fußweg vor Platz sieben. Dorthin nämlich schleuderte Lena Lauderbach ihren Schläger über den doch ordentlich hohen Zaun nach dem enttäuschend schnell verlorenen Finale. „Aber ich habe vorher geguckt, ob gerade jemand vorbeigeht…“

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