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Tennisverband Rheinland-Pfalz  

„Alte Besetzung, neuer Elan“

Mainz. Jan Hanelt bleibt Präsident des Tennisverbands Rheinland-Pfalz. Die Delegiertenversammlung bestätigte den 49-Jährigen einstimmig für zwei weitere Jahre im Amt und mit ihm die Präsidiumsmitglieder Wolfgang Jung (Finanzen), Sascha Kaiser (Sportentwicklung) sowie Andreas Germei (Sport). Sepp Klaus, Matthias Ackermann und Wolfgang Ebert gehören dem Gremium als Präsidenten beziehungsweise Vertreter der Bezirke Rheinland, Pfalz und Rheinhessen an. „Alte Besetzung, neuer Elan“, sagte Hanelt mit Blick auf die Wahlergebnisse und die Aufgaben, derer das Präsidium sich in den nächsten zwei Jahren annehmen will.

Am 21. April 2023 traf sich der Verband in der Landeshauptstadt Mainz im Favorite Parkhotel zur Delegiertenversammlung. ©TVRP

Dazu gehört unter anderem, die Rollenverteilung zwischen den gewählten Vertretern und den bei der Geschäftsstelle angesiedelten Mitarbeitern zu verändern. „Unser Ziel ist es, das Ehrenamt zu entlasten und das Hauptamt zu stärken“, warb Hanelt, der seit 2019 an der Spitze des TVRP steht. Um diesen Prozess auf den Weg zu bringen, sollen die Mitarbeiter bis Ende Juni einen Vorschlag für eine effizientere Organisationsstruktur entwickeln, in der das Hauptamt eine entscheidende und das Präsidium eine eher kontrollierende Rolle übernimmt. „Dieses Modell wollen wir im Sommer gemeinsam bewerten. Eventuell ist es dann schon nächstes Jahr möglich, in Teilen darüber zu entscheiden.“

Schon jetzt folgte eine deutliche Mehrheit der Delegierten dem Vorschlag, das Amt des Jugendsportwarts nicht neu zu besetzen, sondern in die Hände der Geschäftsstelle zu legen. Noch nie sei dieses Amt so gut ausgeübt worden wie vom unter anderem für Sportentwicklung und Jugendleistungssport zuständigen Mitarbeiter Morten Pohl, begründete Hanelt den Verzicht. „Es läuft in Rheinland-Pfalz“ – und zwar weitaus besser als im Deutschen Tennis Bund.

Um den ging es, als Hanelt in seinem Jahresbericht „erst mal die nicht so schönen Dinge“ ansprach. Als da wären:

…die geplante Strukturreform hin zu einem Verband mit einem hauptamtlichen Vorstand, demgegenüber das jetzige Präsidium als Aufsichtsrat fungieren soll. „Das Problem: Das Präsidium will weiter den Daumen drauf haben“, erläuterte Hanelt. „Wir sagen: Wenn Hauptamt, dann richtig. Wir brauchen keine Reform, wenn dann der Aufsichtsrat dem Vorstand weiterhin operative Anweisungen erteilen kann.“

…der Umgang mit dem Thema sexualisierte Gewalt, speziell dem Fall des ehemaligen Erfolgstrainers Dirk Hordorff. Sowohl der TVRP-Präsident als auch die Delegierten zeigten kein Verständnis dafür, dass der DTB nicht unerhebliche Mittel für ein Rechtsgutachten ausgegeben hat „Warum gibt der Verband das Geld aus, obwohl er nicht selbst beschuldigt war?“, fragte Hanelt. „Und warum wussten innerhalb des Präsidiums und des Bundesausschusses zunächst nur so wenige Leute über die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs Bescheid?“

Erst einen Tag vor einem Bericht der ARD-Sportschau seien die Informationen an die Landesverbände weitergeleitet worden, kritisierte Hanelt. Dass der Verband inzwischen eine Meldestelle eingerichtet hat, damit ähnliche Fälle künftig nicht mehr unter der Decke gehalten werden, begrüßte er. „Aber die im Vorfeld nicht genehmigten Ausgaben wird das Präsidium bei der nächsten Mitgliederversammlung erklären müssen.“

…die finanzielle Situation. „Der DTB braucht Geld, das ist uns allen bewusst“, sagte Hanelt, „obwohl uns im November 2022 noch ein ausgeglichener Haushalt für 2022 und 2023 vorgestellt wurde“ – lediglich die anstehenden Investitionen in das rund vier bis fünf Millionen Euro teure, aber unabdingbare Digitalisierungsprojekt müssten finanziert werden. „Im November vorigen Jahres hat der Schatzmeister eine schwarze Null prognostiziert. Bei der Strukturtagung im Frühjahr war dann jedoch die Rede von einem hohen sechsstelligen Minus für 2022, für dieses Jahr wird seitens des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz ein noch größeres Defizit erwartet.“ Sprich: Ohne neue Geldquellen wäre beim weltweit größten Tennisverband spätestens im ersten Quartal 2024 ein Zahlungsengpass zu erwarten. „Und dabei reden wir noch nicht über die Digitalisierungskosten.“

Vor diesem Hintergrund sei die vom DTB geplante Einführung einer Wettkampfspielberechtigung zu betrachten, die alle Tennisspielerinnen und -spieler, die an Turnieren oder Medenrunden teilnehmen wollen, erwerben müssen. Kostenpunkt: 20 Euro pro Person. „Inzwischen wird das Ganze nicht mehr mit Serviceleistungen begründet, die den Lizenzinhabern zugutekommen, sondern mit der finanziellen Situation des Verbands.“

Die Anzahl der Kritiker an der geplanten Einführung dieser Spielberechtigung wächst jedoch stetig. Galt Rheinland-Pfalz anfangs als einziger Landesverband, der sich nach intensiver Beschäftigung mit der Thematik dagegen aussprach, sei es mittlerweile auch für etliche andere ein mögliches K.o.-Kriterium, „wenn Elfjährige über ihre Eltern 20 Euro zahlen müssen, um wettkampforientiert Tennis spielen zu dürfen“, sagte Hanelt. „Das rheinland-pfälzische Präsidium macht sich seit zwei Jahren bei diesem Thema keine Freunde, aber wir haben es geschafft, einige Verbände dazu zu bringen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob es nicht sinnvollere Wege gibt, dieses Digitalisierungsprojekt zu finanzieren.“

Denkbar sei, dass der Landesverband die Lizenzen für ihre Aktiven erwirbt, und dann die Kosten auf die Solidargemeinschaft aller 85.000 Tennisspieler in Rheinland-Pfalz umlegt. „Bei uns wären das pro Mitglied geschätzt zwischen drei und vier Euro.“ – im DTB stoße man damit jedoch bislang auf taube Ohren.

Eine TVRP-Umfrage zu den DTB-Lizenzplänen ergab eine 80-prozentige Ablehnung, lediglich zehn Prozent sprachen sich für eine solche Lösung aus, von der alle profitieren würden, die viele Turniere spielen. Hingegen fürchten die Klubs, Spieler zu verlieren, die auf Medenrundenmeldelisten stehen, aber nie oder nur selten zum Einsatz kommen. Matthias Ackermann, der Präsident des pfälzischen Bezirks, brachte auf den Punkt, was viele andere Vereinsvertreter dachten: „Bei uns gibt es Leute, die gerade mal den Schläger gerade halten können und ein- oder zweimal pro Jahr im Doppel eingesetzt werden. Diese Leute werden uns von der Stange gehen.“

Nach intensiver und konstruktiver Diskussion ergab das Meinungsbild der Delegiertenversammlung klare bis einstimmige Mehrheiten für drei Punkte, die Hanelt abfragte:

Niemand befürwortete die Einführung der Wettkampfberechtigung in der geplanten Form.

Fast alle Vertreter aus den Bezirken sprachen sich für eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge zur Finanzierung des Digitalisierungsprojekts aus, wobei im Vorfeld mögliche Einsparpotentiale beim DTB keinesfalls außer Acht gelassen werden dürfen.

Und eine deutliche Mehrheit unterstützte den Solidargemeinschaftsgedanken der TVRP-Spitze, wenn es um den Erwerb der Spiellizenzen geht.

Bericht: Peter Eisenhuth

V.l.: Sascha Kaiser (Sportentwicklung), Andreas Germei (Sport), Dr. Kristina Weber (Vizepräsidentin TV Rheinland, in Vertretung von Ulrich Klaus), Wolfgang Jung (Finanzen), Wolfgang Ebert (Vizepräsident TV Rheinhessen), Matthias Ackermann (Präsident TV Pfalz) und Jan Hanelt (Präsident TV Rheinland-Pfalz) ©TVRP
Wolfgang Eggers wurde bereits vor 2 Jahren zum Ehrenmitglied des TVRP gewählt und erhielt die Ehrungen nun offiziell von Präsident Jan Hanelt. ©TVRP
Die Delegierten der Bezirksverbände Rheinland, Pfalz und Rheinhessen, sowie die Präsidiumsmitglieder des Tennisverbands Rheinland-Pfalz stimmten über das weitere Vorgehen im Landesverband ab. ©TVRP

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