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Freunde des weißen Sports bauten die Zukunft - Bemerkenswertes Jubiläum: Der Tennisverband Rheinland-Pfalz feiert sein 75-jähriges Bestehen

Mainz. Heiko Bieser hatte ein bisschen recherchiert und festgestellt: 1948 war ein außergewöhnliches Jahr für den Tennissport. Sportler des Jahres in Deutschland wurde Gottfried von Cramm, der „Tennisbaron“ – und in Rheinland-Pfalz gründeten Freunde des damals noch weißen Sports ihren Landesverband. 75 Jahre später feierte das Präsidium des TVRP dieses Jubiläum mit zahlreichen Gästen aus Sport und Politik, mit Sponsoren, aktiven und ehemaligen Funktionsträgern sowie Delegierten im Mainzer Parkhotel „Favorite“.

Bis vor wenigen Monaten hätte Michael Ebling an diesem von einem Vier-Gänge-Menü umrahmten Abend als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt teilgenommen. Jetzt tat er es als Innen- und Sportminister, quasi „als Erster Sportler des Landes“, wie Moderator Bieser sagte – „eine wirklich schmeichelhafte Bezeichnung“, wie der SPD-Politiker zugab. „Ich habe direkt den Bauch eingezogen.“

Wer in einer Sportstadt mit vielen Vereinen unterwegs sei, wisse, dass 75 Jahre „eigentlich gar kein so dolles Jubiläum sind“, sagte Ebling. Gleichwohl nannte er das, was am 10. Januar 1948 in Bingen geschehen war, bemerkenswert. „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Jahr jünger, und die Entstehungsgeschichte des Tennisverbands fand in einer Zeit statt, in der man sich fragen konnte, wieso man auf die Idee kam, einen Verband zu gründen.“

Ein solcher Schritt im nach dem Krieg darniederliegenden Land sei ein besonderes Zeichen der Hoffnung gewesen, würdigte der Minister. Die Initiatoren hätten nach dem Prinzip „Wir bauen Zukunft“ gehandelt, „zu einem Zeitpunkt, als man nicht wusste, ob die eigene Wohnung noch beheizt ist, wenn man nach Hause kommt“. Der Tennissport, das belege auch der Mitgliederzuwachs während und nach der Coronapandemie, besitze die Fähigkeit, Menschen über alle Grenzen hinweg zusammenzubringen. „Es ist ein Riesenglück, jetzt den 75. zu feiern.“

Die Funktion des Sports, Menschen in ihrer Persönlichkeit zu formen, hob Nino Haase hervor, der neue Mainzer Oberbürgermeister, der nur deshalb eine LK von 24,3 hat, weil ihn ein Freund überredet hatte, in einer Herren-30-Mannschaft mitzuspielen. „Aber meine Saison kam nie zustande, ich habe mich vorher verletzt“, bedauerte er. „Meine Frau kann davon ein Lied singen.“

Dass Haase überhaupt eine LK hat, verdankt er einem Rheinland-Pfälzer: Dieter Kirschenmann, Hanelts Amtsvorgänger und heute Ehrenpräsident des TVRP, führte das Leistungsklassensystem einst in der Bundesrepublik ein. „Das ist einer der Fakten, auf die wir sehr stolz sind“, betonte Hanelt. Wie auch darauf, d a s deutsche Wettkampfportal Torp mitbegründet und in Sepp Klaus sechs Jahre lang den Präsidenten des Deutschen Tennis-Bunds gestellt zu haben. Auch den Mitgliederzuwachs auf rund 85.000 hob Hanelt als besonders erfeulichen Aspekt hervor – „mit dem mittelfristigen Ziel, vielleicht irgendwann wieder die 100.000er-Schallmauer zu durchbrechen“.

Nicht zuletzt habe sich der TVRP einen Namen mit der Ausrichtung zahlreicher Deutscher Meisterschaften gemacht, teils über Jahrzehnte hinweg, verwies der Präsident auf die Jugend-DM in Ludwigshafen und die Senioren-DM, die lange Zeit in Bad Neuenahr beheimatet war und nach der Hochwasserkatastrophe in Ingelheim eine neue Heimat fand, bis Bad Neuenahr wieder übernehmen kann. Und da waren ja auch noch die Deutschen Hallenmeisterschaften im Mainzer Stadtteil Finthen von 1983 bis 1990 sowie von 1996 bis 2000. Anekdoten dazu tauschten Kirschenmann und Peter Dinckels aus, der die Titelkämpfe einst in die Stadt geholt hatte, aus denen von 1984 bis 1986 Steffi Graf als Siegerin hervorging, bevor sie zum Sprung an die Weltspitze ansetzte.

Auch Dietloff von Arnim war der Einladung zur Jubiläumsfeier gefolgt. Der DTB-Präsident lobte unter anderem die Organisation rund ums Davis Cup Spiel gegen die Schweiz in Trier und die Wiederbelebung des höchstdotierten deutschen Challengerturniers in Koblenz. Das Thema sexuelle Gewalt, das mit den Vorwürfen gegen seinen inzwischen zurückgetretenen Vize Dirk Hordorff aufgekommen war, sparte er nicht aus: „Wir werden eine Aufarbeitungskommission gründen, die untersuchen wird, was wir gut gemacht haben und was wir besser machen können.“

„Kinder brauchen Vorbilder“, postulierte Wolfgang Bärnwick, der Präsident des Landessportbunds Rheinland-Pfalz. „Ohne Breite keine Spitze, ohne Spitze keine Breite.“ Um die Zukunft des TVRP müsse man sich keine Sorgen machen. Oder wie Nino Haase sagte: „Spiel, Satz und Sieg dem rheinland-pfälzischen Tennisverband.“

Bericht: Peter Eisenhuth / Fotos: Hermann Recknagel

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