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Tennisverband Rheinland-Pfalz  

Claus Majolk: „Nicht aktiv nach Problemen suchen“

Claus Majolk, langjähriger Tennistrainer und Referent für Inklusion im Tennisverband Rheinland-Pfalz, setzt sich mit großem Engagement für das Thema Inklusion in Deutschland ein. Dabei ist er eigentlich nur durch Zufall zum Inklusionstennis gekommen, wie er im Interview verrät.

Bevor wir näher auf deine Tätigkeiten im Inklusionstennis eingehen, würde uns interessieren, wie du überhaupt zum Tennis gekommen bist.

1976 bin ich als Kind in Speyer in den Tennisverein eingetreten. Ausschlaggebend war eigentlich mein älterer Bruder, der schon vor mir Tennis gespielt hat. Das hat mich damals natürlich neugierig gemacht und ich wollte die Sportart unbedingt mal ausprobieren.

Seitdem sind 45 Jahre vergangen. Warum bist du weiterhin so fasziniert von der Sportart und verbringst so viel Zeit auf dem Tennisplatz?

Tennis ist einfach ein sehr facettenreicher Sport, den man sein Leben lang spielen kann. Dazu braucht man für ein Match nur eine*n Spielpartner*in und kann loslegen. Auch wenn ich nicht selbst auf dem Platz stehe, bin ich ein totaler Tennisfan und habe zuletzt die Spiele bei US Open bis spät in die Nacht verfolgt.

Jetzt wollen wir aber auf das Thema Inklusionstennis zu sprechen kommen. Wann bist du damit zum ersten Mal in Berührung gekommen?

Ich habe damals in meiner Heimat als Tennistrainer gearbeitet, als eines Tages eine Anfrage von einer Förderschule kam. Die Schule wollte viele verschiedene Sportarten ausprobieren. Beim Thema Tennis sind sie dann eben auf mich gekommen. Vor der Anfrage hatte ich noch nicht wirklich mit Menschen mit einer Beeinträchtigung zu tun, aber große Lust, eine Tennisstunde in der Schule durchzuführen. Eine gewisse Unsicherheit war aber dennoch da.

Und deshalb kam dann der erste Kontakt zu den Special Olympics zustande, für die du mittlerweile auch als Landeskoordinator Tennis tätig bist?

Genau, ich wollte gut vorbereitet in diese Tennisstunde gehen. Über die Internetsuche bin ich dann auf die Special Olympics getroffen. Darüber hinaus hat mir die Recherche im Netz nicht wirklich weitergeholfen, weshalb ich den Kontakt zum Tennisverband Rheinland-Pfalz gesucht habe.

Direkt mit den Verantwortlichen von Special Olympics in Kontakt gekommen bin ich aber erst 2015, als die Landesspiele in meiner Heimatstadt Speyer stattfanden.  

Nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem Tennisverband Rheinland-Pfalz und den Special Olympics ist viel passiert. Mittlerweile bist du in beiden Organisationen ehrenamtlich tätig. Was hat dich am Inklusionstennis so begeistert?

Das Tennistraining ist einfach eine Win-Win-Situation. Alle Teilnehmer*innen haben total viel Spaß. Es gibt auch gar nicht so viele Unterschiede zum Regeltennis, wie man vielleicht denken mag. Im Grunde genommen muss man das Training im Bereich Inklusionstennis als Anfängertraining verstehen, bei dem man sehr individuell auf die Bedürfnisse seiner Schützlinge eingehen muss. Das ist dann nicht immer unbedingt Training nach dem Lehrbuch, aber effektiv. Ich habe zum Beispiel einen Spieler, der sich mit dem Aufschlag total schwergetan hat. Mittlerweile nutzen wir den Vorhandgriff und er macht keine Doppelfehler mehr.

Gibt es dennoch auch Herausforderungen?

Die gibt es natürlich, aber die gibt es überall. Wir spielen in den Gruppen wirklich einfach Tennis. Zuletzt haben wir problemlos ein inklusives Tenniscamp mit 29 Teilnehmer*innen durchgeführt.

Viele Vereine wollen mittlerweile ein verbessertes Inklusionsangebot schaffen. Was ist dabei zu beachten?

Wenn das Interesse schon da ist, ist der weiteste Weg zurückgelegt. Mein Appell lautet, dass ein Austausch in den Vereinen stattfinden muss, idealerweise im Vorstand. Es geht darum, wie man darauf vorbereitet sein will, wenn Menschen in den Verein kommen, die inklusives Tennis spielen wollen. Man darf bei dem Thema nicht immer aktiv nach Problemen suchen. Dass die Anlage von Tag eins nicht perfekt auf Menschen mit einer Beeinträchtigung ausgelegt sein kann, ist doch vollkommen klar. 

Aber definitiv gibt es aktuell noch zu wenig Interesse in den Vereinen. Menschen, die inklusives Tennis spielen wollen gibt es, aber es fehlen die flächendeckenden Angebote. Der Sport hat hier die Chance, ein Vorreiter zu sein, weil es eigentlich so leicht ist, Inklusion im Sportverein zu leben. Nochmal, wir spielen mit den Menschen mit einer geistigen Behinderung einfach Tennis und haben Spaß.

An wen können sich Vereine wenden, wenn sie Fragen rund um das Thema Inklusion haben?

In erster Linie an die Referent*innen Inklusion in Tennisdeutschland. Sowohl beim DTB als auch in den einzelnen Landesverbänden gibt es Fachkräfte, die Hilfestellung leisten können. Außerdem sind natürlich auch die Special Olympics und die Fachsportverbände – wie zum Beispiel der Gehörlosensportverband – eine gute Anlaufstelle. Und ich kann eines sagen: man trifft dort auf offene Ohren und sehr hilfsbereite Menschen.

Gibt es einen Moment, der für dich der bisher schönste inklusive Tennismoment war?

Einen zu nennen ist total schwierig. Mir macht die Arbeit wirklich jeden Tag aufs Neue enorm viel Spaß. Wenn wir uns zurück an das inklusive Tenniscamp erinnern, das wir veranstaltet haben, das war schon etwas Besonderes. Außerdem kommen im Januar immer Spieler*innen aus ganz Deutschland zu uns in den Verein, um in der Halle, die uns durch meinen aktuellen Verein BASF TC Ludwigshafen kostenlos zur Verfügung gestellt wird, Tennis zu spielen. Wir spielen wirklich nur Tennis – es gibt keinen Wettbewerb, wir spielen nicht um Punkte, sondern haben einfach Spaß am Sport.

Ein weiteres Event, auf das ich mich sehr freue, sind die Special Olympics Weltspiele 2023, die in Berlin stattfinden werden. Die Veranstaltung wird die einmalige Möglichkeit, dem Thema Inklusion im Sport mehr Aufmerksamkeit zu schenken und diese gilt es zu nutzen.

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