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Mehrwöchige Zwangspause: Friedsam zieht sich Bänderriss zu

Bitterer Rückschlag für Anna-Lena Friedsam: Die 21-jährige Ausnahmespielerin des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz musste beim WTA-Sandplatzturnier im österreichischen Bad Gastein in ihrem Erstrundenmatch verletzt aufgeben.

Erst geschockt, jetzt schon wieder zuversichtlich: Anna-Lena Friedsam. Foto: Dieter Jörger/Archiv

Friedsam knickte gegen die Tschechin Klara Koukalova beim Stand von 6:1, 4:0 um und zog sich eine Sprunggelenksverletzung zu. Diagnose: Bänderriss im rechten Fuß. Bei optimalem Heilungsverlauf ist laut behandelndem Arzt mit einer Rückkehr auf die Tenniscourts in vier bis sechs Wochen zu rechnen.

In Bad Gastein war die Spielerin von Trainer Sascha Müller drauf und dran gewesen, bei der mit 225.000 Dollar dotierten Veranstaltung mühelos in die zweite Runde einzuziehen. Friedsam, aktuell an Position 73 in der Weltrangliste geführt, hatte Koukalova (WTA-100.) nie ins Spiel kommen lassen und war klar überlegen. 42 Minuten waren in der Partie gerade mal gespielt, als die 21-jährige TVRP-Spielerin einen Ball in ihrer  Vorhandecke erlaufen wollte. Friedsam knickte aus vollem Lauf mit ihrem rechten Fuß um, schrie laut vor Schmerzen und musste auf einer Trage vom Platz gebracht werden. „Sie ist hängen geblieben. Es hatte geregnet und der Boden war sehr tief“, berichtete Müller von dem Schreckmoment. „Anna-Lena hat plötzlich geschrien wie am Spieß und ist liegen geblieben. Da ging gar nichts mehr. Der Knöchel ist innerhalb von Sekunden extrem angeschwollen.“

Nach Krankenhausbesuch, Röntgenbildern, einem ersten Verdacht auf mehrfachen Bänderriss und schneller Heimreise blieb ganz viel Ungewissheit: Erst eine MRT-Untersuchung bei Friedsams Arzt in der Heimat am Tag danach sorgte für Klarheit. Das vordere Band im rechten Sprunggelenk ist gerissen. „Gott sei Dank ist sonst nichts kaputt - am Knochen oder an anderen Bändern“, sagte Müller erleichtert. Vier bis sechs Wochen wird Anna-Lena Friedsam definitiv ausfallen. Bei optimalem Heilungsverlauf und guter Regeneration sei sogar ein Comeback beim vierten Grand Slam-Turnier des Jahres (31. August bis 13. September) in New York denkbar. „Auf die ursprünglich geplanten Vorbereitungsturniere in Cincinnati und New Haven müssen wir wohl verzichten. Doch eine kleine Chance auf die US Open gibt es noch“, so Müller. "Aber wir müssen abwarten, wie alles verheilt und wann wir wieder voll trainieren können.“

Eine Verletzung kommt für Profisportler nie zum richtigen Zeitpunkt. Dieses Turnieraus allerdings erwischte Anna-Lena Friedsam in einem sehr bitteren Moment. In den zurückliegenden Wochen hatte die 21-Jährige spielerisch eine Stabilität erreicht, die auf eine solide zweite Jahreshälfte hoffen ließ. Der Coach bestätigte: „Das war denkbar ungünstig. Sie hatte gerade wieder Selbstvertrauen und war in guter Form.“ Auch zu sehen beim starken Auftritt gegen Koukalova. Entsprechend geknickt war Anna-Lena Friedsam selbst wie Müller berichtete. „Die Verletzung war ein richtiger Schock und die Enttäuschung war erst mal enorm. Aber seit wir Gewissheit haben, sehen wir wieder Licht am Ende des Tunnels.“ Auf den Schrecken folgte zaghafte Zuversicht.

Die vollständige Genesung steht jetzt im Vordergrund. Spielerin und Trainer wollen sich auch nicht davon verrückt machen lassen, dass Friedsam in ihrem traditionell starken Saisonherbst noch viele Punkte aus dem Vorjahr zu verteidigen hat. Nach den US Open 2014 sammelte sie rund 400 Weltranglistenpunkte, „aber den Druck hat man in dem Geschäft immer. Es bringt nichts, den Punkten hinterher zu laufen“, betonte Müller. Der Coach ist zuversichtlich, den richtigen Schlüssel zu finden. „Wir arbeiten fokussiert und bewahren dabei eine gewisse Gelassenheit. Wichtig ist das Vertrauen in die eigenen Stärke.“ Aktuell sind jegliche Rechnereien ohnehin zweitrangig. Zunächst geht es einzig und alleine darum, dass Anna-Lena Friedsam ihre Verletzung möglichst schnell übersteht und komplett auskuriert, um dann wieder angreifen zu können.