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U15 Team-DM: Bayern und Westfalen siegreich

Die Entscheidung fiel im Matchtiebreak. Bayerns Mädchen und das westfälische Jungen-Team gewinnen DTB-Mannschaftswettbewerb U15.

U15-DM in Ingelheim: Team Westfalen (links) gewinnen die Henner Henkel-Spiele und das Team Bayern siegt bei den Cilly Aussem-Spielen - Foto: Hermann Recknagel

Ingelheim. „Heute konnten wir zeigen, auf welch hohem Niveau die noch nicht 15jährigen beim DTB Tennis spielen“, freute sich Dr. Eva-Maria Schneider, Vizepräsidentin Jugendsport des Deutschen Tennis Bundes, mit den Siegern des Jugend-Mannschaftswettbwerbes U15.


An vier Tagen wurden auf den Plätzen und in der Halle des TC Boehringer Ingelheim mehr als 200 Spiele bestritten, die Entscheidung im Henner-Henkel-Wettkampf der Jungen fiel im Matchtiebreak, und das gleich zweimal. Zunächst gewannen die Westfalen Fynn Künkler/Sean-Lennart Lange gegen das bayerische Doppel Moritz Stöger/Christopher Frantzen mit 10:2 im verkürzten Entscheidungssatz, dann gab Filip Krolo den dritten Satz mit 4:10 ab. „Beim Matchtiebreak haben wir noch mal richtig Gas gegeben“, freute sich Siegercoach Jürgen Listing. „Wir haben gut zusammengefunden, man hat sich gegenseitig ausgeholfen“, erklärte er den Erfolg der Mannschaft, die „aus der zweiten Reihe gekommen“ sei. Listings Kollege Benjamin Benedikter, Betreuer des Rekordgewinners Bayern, ärgerte sich über die beiden verlorenen Matchtiebreaks, „weil wir so gut aufgeholt hatten.“ Immerhin legte Frantzen einen 6:4-Satzgewinn vor und Filip Krolo gelang nach ganz schwachem Beginn (1:6) der Satzausgleich. Die Wende schien möglich nach dem Rückstand durch das Auftaktdoppel, doch dann kam der Tiebreak.


Da machten es die Mädchen aus dem Freistaat besser. „Mindestens das Halbfinale wird von uns erwartet“, erklärte Bayerns Mädchen-Betreuer Stefan Eriksson, „alles andere ist ein Bonus.“ Und der fiel recht deutlich aus, beim 3:0 gegen Niedersachsen im Finale des Cilly-Aussem-Wettbewerbes „hat uns am Ende etwas die Energie gefehlt“, wie Patty Schnyder zugab, die bekannte Schweizer WTA-Turnierspielerin und Niedersachsen-Betreuerin.


In der Tat forderte die viertägige Traditionsveranstaltung, die nächstes Jahr vom bayerischen Verband ausgetragen wird, den Mädchen und Jungs des Jahrgangs 2001 und jünger allerhand ab. „Die Körperlichkeit entscheidet, nach vier Spielen entsteht eine mentale Müdigkeit“, erklärte Berlins Jungen-Betreuer Bernd Süßbier nach dem 1:2 im Halbfinale gegen Bayern. Und wer das Doppel zum Auftakt verliert, steht schon ziemlich unter Druck. DTB-Vize Schneider hat sich ganz besonders dafür eingesetzt, mit dem Doppel zu beginnen, damit es „einen besonderen Stellenwert erhält und die Sache spannender macht.“ Außerdem sei es ein gutes Training für das Angriffsverhalten und das Volleyspiel.


Eine Belastung für alle war das wechselhafte Wetter mit glänzenden Bedingungen an den ersten beiden Tagen, gefolgt von Kälte und Regen. Die Halle auf der imponierenden Ingelheimer Tennisanlage mit ihren fast 20 Plätzen „war dringend nötig“, wie TVRP-Präsident Dieter Kirschenmann betonte. Der Termin werde vom DTB vorgegeben, „wir können das nicht beeinflussen.“ Für die Jugendsport-Verantwortliche Schneider ist die April-Veranstaltung, als Mannschaftswettbewerb „einzigartig“ und wie ein kleiner Davis Cup einzuschätzen, ein erstes Highlight des Jahres und bei den Jugendlichen als Standortbestimmung beliebt. „Die Jungs und Mädchen müssen so oft wie möglich gegeneinander spielen, um zu sehen, was gut ist und was sie besser machen können“, meinte Bayerns Mädchen-Coach Eriksson.


Die Veranstalter-Teams verpassten den Sprung ins Halbfinale. Im Henner-Henkel-Wettbewerb erwiesen sich Bayern und Hessen für Titelverteidiger Rheinland-Pfalz als zu stark. Maximilian Haage (BASF TC Ludwigshafen), Matti Bieg vom TV Hübingen und der Andernacher Luca Franze verloren jeweils mit 0:3 und gewannen dabei insgesamt nur 13 Spiele. „Es ist bei den Jungs gelaufen wie erwartet, in diesem Jahrgang fehlen die außergewöhnlichen Spieler“, meinte Landesverbands-Jugendwart Michael Montada. Mit einem abschließenden 2:1-Erfolg gegen Sachsen-Anhalt sicherte man sich immerhin den dritten Platz in Gruppe vier. „Dieser Gegner war auf unserem Level“, stellte Betreuer Benjamin Hassan fest, „in den beiden vorangegangenen Begegnungen hatten wir nur wenige Chancen, auch wenn einige Spiele recht eng waren.“ Vor allem an Erfahrung mangele es, „da hilft nur Matchpraxis“, meinte der mehrfache Rheinland-Pfalz-Meister und erklärte: „Viele Ballwechsel wurden gut aufgebaut, aber nicht abgeschlossen.“ Von der guten Arbeit in der bayerischen Trainingsgruppe hatte Benjamin Hassan schon gehört, die Überlegenheit der Süddeutschen überraschte ihn dann doch: „Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Trotzdem zeigte sich der Neuwieder von seinem ersten Einsatz als Landes-Teamchef durchaus angetan. „Es hat Spaß gemacht, und ich könnte mir vorstellen, die Jungs noch mal zu betreuen.“ Mit Bayern hatten es auch die TVRP-Mädchen in Gruppe zwei zu tun, nach zwei 3:0-Erfolgen über Sachsen-Anhalt und Nordwest unterlagen Selina Dal (BASF TC Ludwigshafen), Liliana Danajlovski vom Andernacher TC und Anna Palamarenko (TC Ürzig) dem topgesetzten Gegner mit 0:3. „Dass wir bis ins Finale um den Gruppensieg gekommen sind, ist eine positive Überraschung“, meinte Jugendwart Montada. Und man habe mit dem favorisierten Gegner mithalten können. „Wir wussten, dass die Bayern gut aufgestellt sind“, so Betreuerin Dominice Ripoll, die selbst eine starke Spielerin ist. „Doppel und ein Einzel wurden ziemlich knapp verloren, da fehlte es eben an der Konstanz.“ Der Stimmung schadete das Aus im entscheidenden Gruppenspiel nicht, „die ganze Truppe, Jungen und Mädchen, hat prima zusammengepasst und sich gegenseitig angefeuert.“


Von einer guten Atmosphäre wusste auch Jan Hanelt zu berichten. „Es war einer der fairsten Wettkämpfe, die ich in 25 Jahren als Oberschiedsrichter zu leiten hatte“, betonte der Landes-Sportwart und Präsident des TV Rheinhessen. Seine Erklärung: „Das hohe sportliche Niveau, die gute Erziehung, die die jungen Spielerinnen und Spieler in den Verbänden genießen, und die Erfahrungen, die sie in den vielen hochrangigen Turnieren im In- und Ausland machen, wo ein faires Miteinander Standard ist“, so der Oberschiedsrichter dieser Meisterschaften. Es soll, so der Wunsch von Landesverbands-Präsident Kirschenmann, eine Wiederholung geben. „Wir könnten noch mehr solcher Veranstaltungen in unserer Region durchführen“, meldete er bei der abschließenden Siegerehrung Interesse an.


Thomas Wächtler

 

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