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Der Davis Cup wird reformiert

DTB-Präsident Klaus: „Eine herbe Enttäuschung“ Hamburg/Orlando, 16. August 2018 – Einer der traditionsreichsten Team-Wettbewerbe imweltweiten Sport wird ab dem Jahr 2019 in einem vollkommen neuen Format stattfinden.

Der klassische Davis Cup, so wie er seit 118 Jahren ausgetragen wird, ist am Ende dieser Saison buchstäblich Geschichte. Im Rahmen der jährlichen Generalversammlung der International Tennis Federation (ITF) in Orlando stimmten am Donnerstagmorgen Ortszeit die Vertreter der 147 anwesenden Mitgliedsnationen über die umstrittenen Pläne des ITF-Präsidenten David Haggerty ab. Am Ende setzten sich die Befürworter der geplanten „Radikal-Reform" mit 71,4 Prozent der Stimmen durch. Dagegen votierten 28,5 Prozent – damit ist die nötige Zweidrittelmehrheit gegeben.

„Für uns ist das Ergebnis eine herbe Enttäuschung, die uns erst einmal fassungslos macht. Wir sind bis zum Schluss davon ausgegangen, dass die Mehrheit der Mitgliedsnationen vernünftig und mit Bedacht abstimmen würde. Wir haben stets betont, dass wir gewisse Anpassungen im Davis Cup für notwendig erachten – aber keine Reform, die den etablierten Wettbewerb abschafft", sagt Ulrich Klaus, Präsident des Deutschen Tennis Bundes, der in Orlando für den deutschen Dachverband gegen die Reform stimmte.

Das nun beschlossene neue Format, das bereits ab 2019 ausgetragen wird, sieht eine Qualifikationswoche im Februar mit Heim- und Auswärtsspielen sowie eine Endrunde für die besten 18 Teams an einem neutralen Ort vor – im Anschluss an die ATP World Tour Finals im November. Die ITF verspricht Einnahmen in Milliardenhöhe durch die Investmentgruppe Kosmos, mit dem spanischen Fußballstar Gerard Piqué an der Spitze – angeblich drei Milliarden Dollar in den nächsten 25 Jahren. Konkrete Zahlen und transparente Hintergründe zu der geplanten Finanzierung wurden im Vorfeld der Abstimmung nicht veröffentlicht.

„Diese Entscheidung bedeutet, dass man möglicherweise über Jahre hinweg kein Heimspiel mehr austragen wird. Heim- und Auswärtsspiele abzuschaffen und den Davis Cup derart in seinen Grundfesten zu verändern, ist ein falscher und viel zu radikaler Ansatz. Auch die fehlende Transparenz und das undurchsichtige Vorgehen des Weltverbandes kritisieren wir scharf", sagt Klaus. Der 68-Jährige weiter: „Der Davis Cup wird sich durch das neue Format bedauerlicherweise von den Tennisfans entfernen. Wir haben immer betont, dass dies nicht passieren darf – auch dann nicht, wenn gleichzeitig mit großen Geldbeträgen gelockt wird.  

Leider wurde in Orlando fast ausschließlich über Geld und kaum über den Sport diskutiert." Klaus trat in den vergangenen Monaten regelmäßig als einer der internationalen Wortführer für den Erhalt des etablierten Formates mit Heim- und Auswärtsspielen auf.

Auch der deutsche Davis Cup-Kapitän Michael Kohlmann bedauert das Ergebnis. „Die geplante Reform zerstört die lange Tradition eines der wichtigsten Wettbewerbe im Welttennis unwiderruflich. Für Spieler und Betreuer sind Heim- und Auswärtsspiele die wesentlichen Faktoren, die den Davis Cup besonders machen. Die eigene Nation in einem Heimspiel zu vertreten, vor tausenden begeisterten Fans, gehört für jeden Profi zu den Karriere-Highlights. Es ist für uns schwer vorstellbar, dass dieser Charakter mit dem neuen Format erhalten bleibt." Ergänzend kritisiert Kohlmann auch den Zeitpunkt der Finalrunde am Ende der Saison: „Pause und Saisonvorbereitung werden durch den Termin weiter verkürzt. Für die Spieler steigt dadurch auch die Gefahr von Verletzungen und Ausfallzeiten."

Neben diversen großen Verbänden kritisieren auch die Spielergewerkschaft ATP sowie eine Vielzahl an Profis die Reform-Pläne. Über das weitere Vorgehen und die Umsetzung der Reformpläne hat die ITF bislang nicht informiert.