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Turniere   Tennisverband Rheinland-Pfalz  

Landesmeisterschaften in Ingelheim: Neue Rheinland-Pfalz-Meister 2021 gekürt

Viel fehlte nicht, und die rheinland-pfälzischen Tennismeisterschaften der Aktiven wären zu einem totalen Triumph des BASF TC Ludwigshafen geworden. Denn als am Sonntag die Finals auf der Anlage des TC Boehringer Ingelheim liefen, spielte auf Platz acht Christian Hirschmüller gegen Yannick Floer (TC Gensingen) – und nebenan auf Platz sieben lieferte sich Charlotte Keitel einen großen Fight mit der für die Gastgeber startende Amandine Cazeaux. Doch während Turnierfavorit Hirschmüller sich mit 6:4, 6:3 durchsetzte, durfte die 16-jährige Keitel zwar am Sieg schnuppern, musste sich letztlich aber der doppelt so alten Französin mit 6:4, 5:7, 8:10 geschlagen geben.

Christian Hirschmüller

Die Gratulationen zu ihrer beeindruckenden Leistung nahm die Nummer 177 der deutschen Rangliste zwar entgegen, glücklich wirkte sie dabei allerdings nicht. Obwohl – oder vielleicht auch weil – sie selbst nicht erwartet hatte, ins Endspiel einzuziehen. „Ich hatte damit gerechnet, vielleicht ins Halbfinale zu kommen“, sagte sie. Auf dem Weg dorthin machte sie keine großen Umstände, schlug im Achtelfinale Liv-Maja Röstel (TC Rot-Weiss Kaiserslautern) mit 6:1, 6:4 und im Viertelfinale ihre Vereinskollegin Michelle Roth, die bei 5:1-Führung Keitels im ersten Satz verletzt aufgab.

Die Vorschlussrunde allerdings würde nach allgemeiner Einschätzung Endstation sein. Schließlich traf Keitel jetzt auf die ebenfalls für Ludwigshafen spielende und topgesetzte Selina Dal. „Noch vor einem Jahr hätte Charlotte gegen sie keine Chance gehabt“, sagte Keitels Trainer Hirschmüller. „Aber sie hat gezeigt, wie toll sie sich entwickelt hat.“ Der Youngster überraschte mit einem 6:2, 7:6-Erfolg über die deutsche Nummer 43 – und wenn sie denn schon im Finale stand, wollte sie sich nicht mit dem zweiten Platz zufriedengeben.

Erneut in der Außenseiterrolle, ging Keitel im ersten Satz mit 3:2 erstmals in Führung und brachte diese auch durch. Die Spielanlage ihrer Kontrahentin wirkte zwar reifer, was angesichts des Altersunterschieds und der einstigen Weltranglistenposition der Französin in den 500ern keine Sensation darstellte – doch so sehr Cazeaux auch Tempo und Ballhöhe variieren mochte, um die langen, schnellen und harten Grundlinienballwechsel zu durchbrechen, behielt Keitel dank ihrer gewaltigen Vor- die Oberhand.

„Sie hat wirklich sehr gutes Tennis gespielt“, erkannte die an Position drei gesetzte Cazeaux an, die bis dahin mit ihren Gegnerinnen mehr oder weniger kurzen Prozess gemacht hatte. Gegen die rheinhessische Vizemeisterin Lena Lauderbach (TC Laudert) gewann sie ohne Spielverlust, Aiva Schmitz (TC Landstuhl) bezwang sie 6:4, 6:2, und im Halbfinale ließ sie der an Position zwei gesetzten Maria Petrascu (TC Trier) beim 6:1, 6:2 keine Chance.

Dennoch sei es für sie nicht einfach gewesen, sich im vierten Match binnen zwei Tagen auf den Punkt zu konzentrieren, sagte der Ingelheimer Neuzugang aus Montpellier. „Ich war noch nie in Deutschland, ist kannte keines der Mädchen, und ich hatte zuletzt im Januar ein Match bestritten. Selbst wenn du gut trainierst, ist es etwas anderes, als wenn es ernst wird und du unter Stress gerätst.“

Und der Stress, dem Cazeaux sich im Finale ausgesetzt sah, nahm zu – im zweiten Satz lag Charlotte Keitel mit 4:2 und 40:15 vorne und schien auf einem guten Weg, ihr starkes Turnier zu krönen. „Aber dann hat sie einen Winner geschlagen und ich einen Fehler gemacht“, fasste sie die Momente zusammen, in denen die Angelegenheit kippte. „Ich habe im zweiten Satz insgesamt zu viele Fehler gemacht.“

„Charlotte spielt sehr aggressiv, da passieren halt auch Fehler“, kommentierte Coach Hirschmüller, drang mit so viel Verständnis aber zunächst nicht zu seinem Schützling durch. „Trotzdem waren es zu viele“, sagte Keitel.

Verglichen mit dem Damenfinale verlief das der Herren unspektakulär. Yannick Floer wehrte sich nach Kräften gegen Christian Hirschmüller, was immerhin dazu führte, dass er im ersten Satz nach 1:4 zum 4:4 ausglich. Doch die Kräfte waren endlich. „Ich habe mich nicht mehr gut bewegt, weil ich müde war“, sagte der Gensinger. Ihm steckte insbesondere noch das fast zweieinhalbstündige Halbfinale gegen Steffen Hillenmeier (TSC Mainz) in den Knochen, aus dem er mit 6:4, 6:3 als Sieger hervorgegangen war. „Generell sind vier Matches an zwei Tagen sehr anstrengend, wenn du kaum trainiert hast.“ Zuletzt habe seine Zeit nur eine Einheit pro Woche zugelassen. „Dafür hat es heute ziemlich gut funktioniert“, sagte Floer. „Da war mehr drin, aber wenn die Beine nicht mitmachen….“

Seine Taktik gegen die deutsche Nummer 85 war clever. Er spielte Hirschmüller viele Bälle auf die Rückhand, die stets als sicherer Slice zurückkam, um irgendwann das Feld mit einem harten Schlag auf die Vorhand zu öffnen. „Das Spiel war sehr taktisch geprägt, aber er hat das mit den Rhythmuswechseln gut gemacht“, bestätigte Hirschmüller. „Ich kenne ihn noch aus den Medenspielen und war überrascht. Er hat sich mega entwickelt.“

Bei seiner ersten Turnierteilnahme seit mehr als einem Jahr und ohne Training in dieser Zeit sei es ihm vor allem darum gegangen, sich für die am nächsten Wochenende beginnende Medenrunde warmzuschlagen. „An ein, zwei Sachen muss ich noch arbeiten, aber insgesamt war das gut fürs Selbstvertrauen.“ Große Widerstände musste Hirschmüller in seinen ersten drei Runden nicht überwinden; gegen den potenziell stärksten seiner Gegner, Bon Lou Karstens profitierte er im Halbfinale davon, „dass ich auch sein Trainer bin und sehr genau wusste, was ich machen muss…“

Dass Hirschmüller mit seinem eigentlich starken Service weniger punktete als erwartet, lag zum einen daran, dass „ich nach einem Jahr ohne Aufschlag die Schulter spüre“, sagte der 1,98-Meter-Mann, der sich während des Endspiels auch immer wieder an den rechten Arm gegriffen hatte. Zum anderen machte sich Yannick Floer die fehlende Konstanz des Favoriten zunutze, um nahe an der Grundlinie zu returnieren.

Obschon mit seinem Turnier insgesamt zufrieden, trauerte der Gensinger ein wenig der verpassten Überraschung nach. „Im ersten Satz habe ich direkt ein Break kassiert, im zweiten lag ich ein Break vorne und hätte den Matchtiebreak erzwingen können“, sagte er. Beim Stand von 3:1 aber war Schluss – die nächsten fünf Spiele gingen an Christian Hirschmüller, der seine erste Teilnahme an Rheinland-Pfalz-Meisterschaften mit dem Titel abschloss.

Amandine Cazeaux

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