Tipps für Vereine
Wie gelingt der Einstieg in inklusive Sportangebote für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung? Schon mit kleinen Schritten können Vereine Barrieren abbauen und neue Zielgruppen für sich gewinnen. Wir haben konkrete Tipps gesammelt.
320.000 Menschen in Deutschland leben mit einer geistigen Beeinträchtigung, doch nur rund 8 Prozent von ihnen sind in einer Sportart aktiv. Auch mehr als zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention fehlt es vielerorts an echter, gleichberechtigter Teilhabe. Obwohl die Förderung in weiteren Gesetzen wie dem Bundesteilhabegesetz fest verankert ist, besteht weiterhin Nachholbedarf – auch im Sport.
Sportvereine können hier mit der Gründung oder Erweiterung eines inklusiven Sportangebots etwas bewegen, Teilhabe stärken und echte Begegnungen ermöglichen. Entscheidend ist: Beziehungen aufbauen, zuhören und gemeinsam wachsen.
1. Prüfe deinen Ist-Stand und mach den Diversity-Check
Wie inklusiv ist dein Verein heute schon? Mit dem Sport Diversity-Check findest du es heraus. Der Check zeigt dir, wo ihr gut aufgestellt seid und wo noch Potenzial steckt. Er umfasst vier Bereiche:
- Vielfalt in Haupt- und Ehrenamt (Teilhabe-Check)
- Sportangebote für alle (Teilnahme-Check)
- Rahmenbedingungen für Vielfalt (Struktur-Check)
- Veranstaltungen für alle (Willkommens-Check)
Du beantwortest kurze Fragen mit „Ja“ oder „Nein“ und bekommst direkt Tipps, Praxisbeispiele und Ideen zur Umsetzung auch für die Gründung oder Erweiterung von Sportangeboten für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.
Mach den Diversity-Check
2. Nutze bestehende Netzwerke
Du musst nicht bei null anfangen: Der organisierte Sport ist bereits gut vernetzt. Neben den Angeboten von Special Olympics unterstützen dich zahlreiche Partner aus Behinderten- und Selbsthilfeorganisationen.
Der DOSB arbeitet dazu mit einem starken Netzwerk aus aktuell 16 Organisationen zusammen – darunter Lebenshilfe, Aktion Mensch oder der Deutsche Behindertensportverband. Gemeinsam setzen sie sich für bessere Teilhabe im Sport und gesellschaftliche Teilhabe ein.
Tipp: Nimm zusätzlich Kontakt zu deinem Special Olympics Landesverband auf. Dort bekommst du konkrete Starthilfe sowie Zugang zu kostenfreien Lernangeboten wie dem Selbstlernkurs „Inklusion“.
3. Setze auf Unified Sports – gemeinsam im Team
Unified Sports steht für echtes Miteinander: Menschen mit und ohne geistige Beeinträchtigung trainieren und spielen gleichberechtigt in einem Team. Alle bringen ihre Stärken ein, lernen voneinander und wachsen gemeinsam.
Das Prinzip ist einfach – die Wirkung groß:
- fördert Teamgeist und soziale Kompetenzen
- baut Vorurteile und Berührungsängste ab
- stärkt Selbstvertrauen und Teilhabe aller Beteiligten
Unified Teams können in vielen Sportarten umgesetzt werden und reicht von Trainingsübungen bis zum Wettkampf. Wichtig sind dabei klare Rollen, ein wertschätzendes Miteinander und Trainer*innen, die Vielfalt aktiv gestalten.
Weitere Infos zum Konzept findest du hier: Unified Sports®
4. Bleib geduldig, wertschätzend und qualifiziere deine Trainer*innen
Inklusives Training braucht Zeit und die richtige Haltung. Manche Übungen dauern länger oder müssen anders vermittelt werden.
Wichtig für dich und dein Team:
- Klare, einfache Anweisungen geben
- Übungen schrittweise erklären
- viel loben und Fortschritte sichtbar machen
- Gelassen bleiben und individuelle Entwicklung akzeptieren
Genauso entscheidend ist die Vorbereitung deiner Übungsleiter*innen:
Sorge dafür, dass sie für die Arbeit mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sensibilisiert und geschult sind. Fortbildungen und praxisnahe Materialien von Special Olympics helfen dabei, Sicherheit zu gewinnen und Training inklusiv zu gestalten.
Gut ausgebildete Trainer*innen sind immer der Schlüssel für langfristigen Erfolg.
5. Geh aktiv auf Menschen zuund schaffe eigene Netzwerke: #ZusammenInklusiv
Warte nicht, bis neue Mitglieder zu dir kommen: Sprich gezielt Wohnheime, Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder Förderschulen in deiner Region an. So erreichst du direkt Menschen, die von deinem Angebot profitieren können.
Kooperationen sind dabei der Schlüssel: Lade Gruppen zu Schnuppertrainings ein, stelle dein Angebot vor oder organisiere gemeinsame Aktionen. So entstehen Vertrauen und erste Berührungspunkte mit deinem Verein.
Ganz nebenbei baust du Schritt für Schritt ein eigenes lokales Netzwerk aus Unterstützer*innen und Partnerorganisationen auf. Auch hier bietet ein Special Olympics Leitfaden Hilfe und Tipps an: Leitfaden für ZusammenInklusiv – Teilhabe vor Ort
6. Nutze Wissen und Fördermöglichkeiten
Du musst das Rad nicht neu erfinden und du musst es auch nicht allein finanzieren.
Im Trainerbereich von Special Olympics findest du praktische Leitfäden, etwa die „Top 10 Tipps für Trainer*innen“. Gleichzeitig gibt es viele Förderprogramme, die dich bei inklusiven Projekten unterstützen:
- Aktion Mensch bietet verschiedene Förderprogramme für inklusiven Sport. Mehr Informationen
- Erasmus+ Sport bietet Fördermöglichkeiten für internationale Kooperationen mit bis zu 400.000 Euro.
- Zusätzlich gibt es zahlreiche Stiftungen und Programme, die inklusive Begegnungen, kreative Ideen und nachhaltige Vereinsentwicklung unterstützen.
Quelle: DOSB